Menschliches Leben darf nicht der Verfügung durch Menschen anheimgestellt werden

Viele, so der Bischof, seien daher erleichtert, dass es jetzt nach langjähriger Diskussion zu einer Entscheidung des Parlaments gekommen sei. Es sei zu begrüßen, dass der Deutsche Bundestag die Debatte um die rechtliche Regelung von Patientenverfügungen in einer würdigen und nicht durch parteipolitisch motivierte Polemik geprägten Weise geführt habe, so Bischof Fürst, der auch Vorsitzender der Unterkommission Bioethik der Deutschen Bischofskonferenz ist.

Dennoch gebe das jetzt beschlossene Gesetz Anlass zu tiefer Besorgnis. Bischof Fürst betonte in einer Erklärung vom Montag wörtlich: „Dem berechtigten Wunsch um ein Sterben in Würde steht die Überzeugung des christlichen Glaubens gegenüber, dass jedes menschliche Leben – auch das eigene Leben – ein Geschenk Gottes ist, das nicht der Verfügung durch Menschen anheimgestellt werden darf. Es muss daher auch davor bewahrt werden, dass aus einer grundsätzlichen Besorgnis heraus und in einer Lebenssituation, die die Umstände einer möglichen Todesnähe noch gar nicht absehen lässt, vorschnell eine Entscheidung über die Beendigung des eigenen Lebens getroffen wird, die möglicherweise nicht mehr korrigierbar ist, auch wenn sie in der konkreten Entscheidungssituation dem aktuellen Willen eines Patienten gar nicht mehr entsprechen sollte."

Deshalb ist sei nach wie vor dringend geboten, dass die Abfassung einer Patientenverfügung nur nach eingehender ärztlicher und womöglich auch seelsorgerlicher Beratung erfolge, sagte Bischof Fürst. Zum anderen solle auch in der Entscheidungssituation dem vertrauensvollen Zusammenwirken zwischen Angehörigen, Betreuungsbevollmächtigten und Ärzten große Bedeutung zugemessen werden, damit dem zutiefst personalen Beziehungsgeschehen im Zusammenhang mit dem Leben und Sterben eines Menschen die angemessene Bedeutung zukomme.

Entscheidungen, die in einer Patientenverfügung zum Ausdruck kommen, entspringen oft der verständlichen Angst vor Schmerzen und Leiden, so der Bischof weiter. Alle Erfahrungen zeigten, dass eine verantwortungsvoll handelnde Palliativmedizin und ebenso die Versorgung schwer kranker und sterbender Menschen in stationären Hospizen oder durch ambulante Hospizdienste deren Leiden mindere und ihnen zugleich die Möglichkeit schaffe, auch in der Weise würdig zu sterben, dass sie sich bewusst mit den letzten Sinnfragen des eigenen Lebens und Sterbens auseinander setzen, ungelöste Probleme mit ihnen nahen Menschen zur Klärung bringen und versöhnt aus dem Leben scheiden könnten. Diese Möglichkeit zu schaffen sei ein Dienst an der Würde menschlichen Sterbens, die sich nicht auf einen schmerzfreien Tod allein reduzieren lasse. Daher müssten Palliativmedizin und Hospizarbeit nach wie vor verstärkt gefördert und ausgebaut werden, forderte Bischof Fürst.