Menschlichkeit, die nicht nach Leistung rechnet

Dies hat Bischof Gebhard Fürst in einem Gottesdienst zur Eröffnung der diesjährigen Caritaswoche am Sonntag, 18. September, im Heilig-Kreuz-Münster in Schwäbisch Gmünd betont. Die Caritas ruft die Bevölkerung wie jedes Jahr unter dem Motto „Investieren Sie in Menschlichkeit“ zu Spenden auf. In diesem Jahr steht der Spendenaufruf im Kontext der bundesweiten Jahreskampagne „Kein Mensch ist perfekt“.

Dieses Thema, das Bischof Fürst in den Zusammenhang der Bibeltexte des Gottesdienstes stellte, sei irritierend und sperrig, weil es die weltlichen Ordnungssysteme in Frage stelle. Diese gingen von einem Modell aus, das die Menschen nach ihrer Leistung entlohne. Die Bibel stelle in dem bekannten Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg Gott jedoch als einen „Arbeitgeber“ vor, der sich herausnehme, nicht nach den Prinzipien der Leistungsgerechtigkeit zu handeln. Er investiere auf eine Weise in Menschlichkeit, die sich menschlichem Berechnen entziehe. Er gebe Anteil am Leben im Reich Gottes nach dem Maß der Bedürftigkeit, weil er ins Herz der Menschen schaue, auf ihre Sehnsüchte, ihre Möglichkeiten und ihre Blockaden. Jeder Mensch, so der Bischof, sei vor Gott gleich wertvoll – vor aller Leistung und auch vor aller Schuld. Gott sei der schlechthin Größere und Andere gegenüber allem, was menschliche Vorstellungen und Berechnungen nahe legten. Deshalb ermutige der Glaube an ihn auch zu einem hohen Maß an Freiheit im menschlichen Miteinander – um der Güte, Liebe und Menschlichkeit willen.