Mission: Zeugnis von der Weite und Offenheit der Liebe Gottes

Der Bischof erinnerte in seiner Predigt an das 175-jährige Bestehen des Internationalen Katholischen Hilfswerks missio sowie an das 40-jährige Bestehen der Hauptabteilung Weltkirche und des weltkirchlichen Engagements der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Letzteres war – unter Bischof Karl Joseph Leiprecht – im Jahr 1967durch Prälat Eberhard Mühlbacher ins Leben gerufen worden, der ebenso wie Bischöfe aus den Philippinen, Indien und Tansania und der heutige Leiter der Hauptabteilung Weltkirche, Domkapitular Klaus Krämer, den Gottesdienst am Mittwoch mitfeierte. Konzelebrant war auch missio-Präsident P. Hermann Schalück, Aachen.

Die weltkirchlichen Aktivitäten sowohl von missio als auch der Diözese Rottenburg-Stuttgart, so Bischof Fürst, hätten damals „in engstem Zusammenhang mit den zentralen Impulsen des Zweiten Vatikanischen Konzils“ gestanden, das von einem weltweiten Volk Gottes „aus den verschiedensten Völkern gesprochen habe. Die Kirche sei „ihrem Wesen nach missionarisch“, betonte der Bischof. Entgegen manchen Missverständnissen in bezug auf den Missionsgedanken machten in den so genannten Missionsländern Frauen und Männer „durch ihren wahrhaft missionarischen Einsatz“ deutlich, was Mission bedeute: „ein lebendiges Zeugnis von der Weite und der Offenheit von Gottes Liebe“. An Jesus Christus, so Bischof Fürst, sei sichtbar geworden, was diese Liebe für den Menschen bedeute: „Heilwerden in einem umfassenden Sinn.“ Dies motiviere Christen, „den anderen Menschen ganz in den Mittelpunkt zu stellen“. Konkrete Hilfe frage nicht nach Konfessionen und Religionen. Allerdings, so Bischof Fürst, ließen „die Schwestern und Brüder in den Missionsländern nie im Unklaren, aus welchem Geist sie handeln, was der tragende und motivierende Grund ihres Handelns ist“.

Früher habe man Mission oft als Handeln „in einer Richtung“ verstanden. „Den Aufgaben, die die Missionarinnen und Missionare weltweit zu bewältigen haben, sehen wir uns auch im Deutschland des Jahres 2007 gegenüber“, sagte der Rottenburger Bischof. Deshalb sei Mission über die Kontinente hinweg „ein gegenseitiges Geben und Nehmen auf Augenhöhe“. Mit Blick auf die Kirche in Deutschland betonte der Rottenburger Bischof, bei vielen Zeitgenossen sei das Christentum zwar kulturell präsent, „aber oft nicht mehr im Herzen lebendig“. Darum müsse sich die Kirche auch hier wie überall auf der Welt ihrer missionarischen Verantwortung bewusst sein. Es gehe darum, „die weltweite Gemeinschaft der Ortskirchen mit Leben zu erfüllen“.


Verleihung des Partnerschaftspreises 2007 der Diözese Rottenburg-Stuttgart an drei Kirchengemeinden in der Diözese

Am Ende des Partnerschaftstags, an dem Teilnehmer aus 25 Pfarreien, kirchlichen Organisationen und internationalen Hilfswerken in der Rottenburger Festhalle ihre Projekte und Initiativen vorstellten und sich im benachbarten St. Meinrad Gymnasium in Workshops austauschten, zeichnete Domkapitular Klaus Krämer drei Preisträger mit dem Partnerschaftspreis 2007 der Diözese Rottenburg-Stuttgart aus.

Den ersten Preis erhielten die katholischen Kirchengemeinden in Dunningen, Seedorf und Lackendorf für die Jugendarbeit im Rahmen ihrer Partnerschaft mit der Diözese Chachapoyas in Peru. Die Partnerschaft, die seit 27 Jahren besteht, sucht nach Krämers Worten „im Hinblick auf ihre Beständigkeit, auf Vielfalt und Umfang des Engagements ihresgleichen“ in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Rund 50 junge Leute aus den Gemeinden des Schwarzwaldvorlands seien bislang für jeweils ein Jahr in Peru gewesen, ebenso wie zahlreiche peruanische Jugendliche in Deutschland gewesen und sich „in Dunningen, Seedorf oder Lackendorf verliebt“ hätten, wie Krämer nicht ohne Hintersinn formulierte. Unter den zahlreichen Einzelprojekten, die aus dieser Partnerschaft hervorgegangen sind, hob der Laudator besonders ein Stipendienprogramm hervor, durch das derzeit 30 jungen Leuten in Chachapoyas eine berufliche Zukunft eröffnet wird. Aber auch eine Armenapotheke, eine Ziegelei, Kinderspeisungs- und Jugendarbeitsprogramme oder ein Jugendradioprogramm im diözesaneigenen Radiosender nannte Krämer als weitere Beispiele für die vielfältigen Aktivitäten der drei Gemeinden.

Den zweiten Preis vergab die Jury an die katholische Kirchengemeinde zum heiligsten Herzen Jesu im Aalener Stadtbezirk Fachsenfeld. Sie wurde ausgezeichnet für ihre Jugendarbeit im Rahmen einer Partnerschaft mit der Gemeinde Espiritú Santo in Santiago del Estero in Argentinien. Vor 20 Jahren durch den eineinhalbjährigen Auslandseinsatz eines jungen Fachsenfelders angestoßen, hatten sich regelmäßige gegenseitige Kontakte und ein Jugendaustausch entwickelt. Ebenso kann die Initiative heute gemeinsame Projekte wie den Bau und Unterhalt eines Gemeindesaals, einer Radiostation, eines Kindergartens und eines Schulzentrums in der argentinischen Partnergemeinde vorweisen. Besonders hob Domkapitular Klaus Krämer in seiner Laudatio hervor, dass im Jahr 2005 einer jungen Argentinierin in einem Pilotprojekt ein einjähriger Freiwilligendienst in Fachsenfeld ermöglicht worden sei. Diesem gegenseitigen Angebot von Freiwilligendiensten, „Reverse-Programm“ genannt, werde in der weltkirchlichen Arbeit der Diözese Rottenburg-Stuttgart besondere Bedeutung beigemessen, betonte Krämer. Ausschlaggebend für die Preisvergabe war nach Krämers Worten auch, dass die Fachsenfelder Jugendlichen dem argentinischen Jugendchor „Espiritú Santo“ ein vierwöchiges Besuchsprogramm in Deutschland ermöglichten. Ein sehenswerter Film mit dem Titel „Musik und Tanz verbinden die Kontinente“ dokumentiert nach Krämers Worten dieses bemerkenswerte Engagement.

Ein dritter Preis ging an die Kirchengemeinde St. Karl Borromäus in Winnenden und ihren Freundeskreis „Klein Winnenden in Bolivien“ für die Jugendarbeit im Rahmen ihrer Partnerschaft zu den „Aldeas de niňos Padre Alfredo“ in Bolivien. Diese Partnerschaft geht, so erläuterte Domkapitular Klaus Krämer, auf einen persönlichen Kontakt mit dem österreichischen Franziskanerpater Alfred J. Spiessberger zurück. Seit 1972 in Bolivien, hatte dieser sich verlassener und verwaister Kinder angenommen. Heute umfasst sein soziales Werk unter anderem zwei Kinderdörfer mit 21 bzw. 11 Familienhäusern für jeweils acht bis zwölf Kinder, eine Schule über 1000 Kinder und Jugendliche, eine Kindertagesstätte, ein Mütterzentrum für jugendliche Mütter sowie zahlreiche Handwerksbetriebe und Werkstätten. „Klein Winnenden in Bolivien“ haben die Bolivianer die vier neuen Familienhäuser und das Gemeinschaftshaus mit Bibliothek und Computerschulungsraum im Kinderdorf San José getauft, die sie mit Spenden ihrer schwäbischen Freunde bauen konnten. Auch eine Musikschule, das Mütterschulungszentrum oder ein Spielplatz nebst Fahrrädern und Spielgeräten dokumentieren die Unterstützung aus Winnenden, die Anpflanzung von Obstbäumen und die Unterstützung junger Erwachsenen bei ihrer Berufsausbildung in so genannten Jugendresidenzen sollen folgen. Im Jahr 2002 war die Partnerschaft förmlich besiegelt worden, im Jahr 2006 wurde der Freundeskreis „Klein Winnenden in Bolivien“ gegründet, bei dem inzwischen 70 Mitglieder eingeschrieben sind. Deren Tätigkeit habe auch bei der bürgerlichen Gemeinde zu großem Interesse geführt, berichtete Domkapitular Krämer. Überzeugend sei auch das Engagement junger Freiwilliger aus der Seelsorgeeinheit Winnenden, die im Auftrag des Freundeskreises für ein Jahr im Kinderdorf San José arbeiteten, hob Krämer in seiner Laudatio hervor.