Mit „charmanter Beharrlichkeit“ für Geschlechtergerechtigkeit eingetreten

Bei der Verabschiedung zeichnete ihr Dienstvorgesetzter, Generalvikar Clemens Stroppel, den Werdegang der Historikern und Politikwissenschaftlerin nach. Nach ersten Berufsjahren bei der baden-württembergischen Landeszentrale für Politische Bildung trat Eva Sorg 1993 als Fachreferentin bei der damals so genannten Diözesanstelle Frauen in Stuttgart in den Dienst der Diözese ein. Als Bischof Walter Kasper auf Empfehlung des Diözesanrats im Juni 1997 die Stelle einer Frauenbeauftragten einrichtete, übernahm Eva Sorg zum Jahresbeginn 1998 mit einem Stellenanteil von 50 Prozent diese Aufgabe – als eine der ersten und bis heute nicht sehr zahlreichen Frauenbeauftragten in der katholischen Kirche in Deutschland. Diesen Auftrag nahm sie bis jetzt wahr – gemeinsam mit anderen Kolleginnen und neben unterschiedlichen zusätzlichen Teilzeitaufgaben. Seit 2003 ist sie in der dem Generalvikar zugeordneten Stabsstelle Entwicklung tätig. Bei diesen Tätigkeiten habe Eva Sorg maßgeblich am Organisations- und Personalentwicklungsprozess, an der Leitbildentwicklung sowie an der strategischen Entwicklung der Diözese insgesamt mitgewirkt. Insbesondere sei ihr die Profilierung der Stelle einer Frauenbeauftragten zu verdanken, betonte Stroppel. Dass diese Stelle seit dem Jahr 2001 in „Gleichstellungsbeauftragte“ umbenannt worden sei, mache eine Veränderung der Sichtweise sowie eine Aufgabenerweiterung deutlich. „Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit kann nur gelingen“, so Stroppel, „wenn Frauen und Männer gleichermaßen im Blick sind.“

Eva Sorg, die nicht nur für das Bischöfliche Ordinariat, sondern auch für Dekanate und Pfarreien sowie für kirchliche Einrichtungen zuständig war, trug nach den Worten des Generalvikars u. a. maßgeblich zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Dienst der Diözese bei, machte sich für Chancengleichheit in allen Bereichen der Personalpolitik stark, engagierte sich für die Qualifizierung von Frauen für Führungsaufgaben und stand nicht zuletzt für die persönliche Beratung in beruflichen und persönlichen Belangen zur Verfügung. Nicht zuletzt sei es ihrer „leisen Beharrlichkeit“ zu verdanken, dass die Bischöfliche Kurie zweimal – in den Jahren 2005 und 2008 – im Rahmen des Projekts „audit berufundfamilie“ vom Bundesfamilienministerium als familienfreundlicher Betrieb ausgezeichnet worden sei, betonte Generalvikar Stroppel.

War die Einrichtung der Stelle der Frauenbeauftragten in der Diözese Rottenburg-Stuttgart vor 12 Jahren eine Innovation von weitreichender Bedeutung, so konnte der Generalvikar zum Abschied von Eva Sorg mit einer neuen Premiere aufwarten: mit dem kommissarischen Nachfolger Karl Schneiderhan tritt erstmals ein Mann die Stelle einer (!) Gleichstellungsbeauftragten in einer deutschen Diözese an.