Mit der Wachsamkeit des solidarischen Heiligen

Sie hätten sich die Offenheit und Wachsamkeit des Mantel teilenden heiligen Martinus zu eigen gemacht und würden sich in besonderer Weise hilfebedürftigen Menschen zuwenden, sagte der Bischof am Sonntagvormittag in Rottenburg beim Verleihungsfestakt und dankte ihnen. Es gelte heute mehr denn je, in der Gesellschaft Ausschau zu halten nach den am Rande stehenden Menschen. Jesu habe gezeigt, dass jeder Mensch gleich wertvoll sei, „nicht der eine mehr, der andere weniger“. Gerade die Verlierer würden darauf hinweisen, was kirchlicher Dienst an der Welt ist.

Die ausgezeichneten Frauen und Männer engagieren sich seit Jahren in Kirche und Gesellschaft mit unterschiedlichen Profilen auf sozial-diakonischen und kulturellen Feldern. So ist Maria Fehrenbach (75) ein starker Aktivposten in der Markgröninger Kirchengemeinde Heilig Geist im Dekanat Ludwigsburg. Sie initiierte zusammen mit anderen 1981 ein jährliches Fastenessen, dessen Erlös Hilfsprojekten in Afrika zufließt. Maria Fehrenbach richtete einen Mittagstisch in der Senioren-Begegnungsstätte, gründete das an 30 Sonntagen im Jahr geöffnete „Cafe“ im Behindertenheim und baute die 13 Jahre von ihr geleitete Nachbarschaftshilfe auf.

Adolf Fritsch (69) hat als gelernter Bankkaufmann dafür gesorgt, dass die Kirchengemeinde Heilig Geist in Schönaich im Dekanat Böblingen auf finanziell soliden Füßen steht und die bauliche Infrastruktur gut ausgebaut ist. Kirche, Pfarrhaus, Gemeinde- und Mesnerhaus konnten unter seiner Regie gebaut beziehungsweise umgebaut werden. Seit drei Jahren sorgt der kommunalpolitisch engagierte Christ, der lange auch als Ministrant, Lektor und Eucharistiehelfer diente, in einer Kontaktgruppe für ein gutes Miteinander zwischen italienischen und deutschen Katholiken.

Marianne Geser (69) sorgt seit über 30 Jahren dafür, dass in der Ravensburger Liebfrauengemeinde die Menschen leiblich und seelisch bei Kräften bleiben. Seit 1994 betreut sie die Küche im Gemeindezentrum und beteiligt sich federführend an der Aktion „Einfach Essen“, in der sich im Winterhalbjahr arme Menschen einmal in der Woche für einen Euro satt essen können. Die langjährige Kirchengemeinderätin engagiert sich unter anderem in der Eine-Welt-Arbeit, für das Gemeindehaus, für Liturgie, Ökumene sowie Fundraising zu Gunsten der Kirchenrenovation.

Jose Amorim da Conceicao Gouveia (59) half in der portugiesischen Gemeinde von St. Ulrich in Kirchheim/Teck mehr als 34 Jahre bei der Vorbereitung zu Taufe, Erstkommunion, Firmung sowie zu Hochzeiten. Er organisierte Familientreffen, Treffen von Chören und liturgischen Gruppen sowie Begegnungen von Katechismusschülern und Ausbildern in der Katechese. Er selbst besuchte Kranke und brachte ihnen die Kommunion und half bei Familienproblemen. Jose Amorim kehrt nach der anstehenden Pensionierung in sein Heimatland zurück.

Hans-Peter Haas (62) baute in Ellwangen die St. Anna-Pflege auf, die er seit 1970 leitet und zu einer modernen Einrichtung der Altenpflege mit heute 42 Plätzen ausgebaut hat. Sein Weitblick führte auch zur Gründung der „Pater Jeningen Jugend- und Altenhilfe gGmbH“, zu der ein Schülerhort und ein Tagesinternat mit über 100 Tagesschülern gehören. Geschäftsführer ist ehrenamtlich Hans-Peter Haas.

Huberta Hoheisel (60) arbeitet in Esslingen seit Beginn ehrenamtlich im 1994 gegründeten Tagestreff St. Vinzenz der Gesamtkirchengemeinde ehrenamtlich mit. Sie kümmert sich dort um Menschen mit besonderen sozialen Problemen und unterstützt zusammen mit weiteren 40 Engagierten zwei hauptamtlich arbeitenden Ordensschwestern. Einmal in der Woche kocht sie dort Mittagessen, hilft beim Einkaufen und organisiert, wo es Not tut. Seit einiger Zeit leitet sie als Ehrenamtliche den Vinzenztreff und plante bei dessen Renovierung kräftig mit. Mehrere Jahre gehörte Huberta Hoheisel dem Vorstand der Caritaskonferenzen Deutschlands (CKD) in der Diözese an und ist seit langem Sprecherin des Runden Tisches der CKD im Kreis Esslingen.

Karl Rank (59) aus Heilbronn gehörte vor seinem Eintritt in die Altersteilzeit seit 1975 dem Betriebsrat an und sorgte in christlicher Grundhaltung wesentlich dafür, dass die Firma die Krise gut überstehen konnte. Er setzte sich für die Entwicklung neuer Produkte ein und die Erschließung neuer Märkte. Als Kirchenchorvorstand seiner Gemeinde initiierte er, dass Konzerterlöse Hilfsprojekten einer aus Heilbronn stammenden Ordensfrau zufließen. Karl Rank engagiert sich auch für Brunnenbau in Ghana.

Elmar Rost (70) ist Kolpingsohn seit jungen Jahren und setzt sich seit 1961 für den Verband in Stuttgart ein. Senior der Kolpingfamilie, später Vorsitzender, konnte der Kaufmann, Betriebswirt und passionierte Bergführer vielen Jugendlichen eine Heimat bieten und sie zu gemeinsamen Aktivitäten wie Wanderungen, Bildungsangeboten und Ehevorbereitungskurse animieren. Beruflich beim Siedlungswerk aktiv, setzte sich Elmar Rost seit 1975 für den Verein der Stuttgarter Kolpinghäuser mit dessen zwei Jugendheimen ein, zuletzt als Vorstand. Der Verein der Kolpinghäuser verdankt ihm ein heute professionelles Rechnungswesen und eine effiziente Struktur.

Veronika Schaff (62) aus Ochsenhausen hat 1988 ihr Versprechen auf Lebenszeit in der Franziskanischen Gemeinschaft (FG) abgelegt, der sie bereits seit 1983 angehört. Seit 1990 ist sie im Diözesanvorstand und vertritt die FG im Nationalvorstand. Seit etwa zehn Jahren baut sie als Redakteurin der Publikation „Franziskusweg“ ein Archiv aus Dokumenten örtlicher Franziskanischer Gemeinschaften auf. Sie gestaltet regelmäßig Gottesdienste, einmal im Jahr einen Krankensalbungsgottesdienst. Regelmäßig macht Veronika Schaff Besuche im Krankenhausund bringt bettlägerigen Patienten die Kommunion aufs Zimmer.

Elisabeth Steimle (76) aus Horb am Neckar gehörte ein Vierteljahrhundert dem Kirchengemeinderat an, den sie eine Amtsperiode auch als Vorsitzende führte. Seit über 60 Jahren spielt sie als Mitgründerin des Orgelvereins Stiftskirche die Orgel, singt im Chor und engagiert sich bis heute im Liturgieausschuss. Eng verbunden ist Elisabeth Steimle, deren Rat auf vielen Feldern gefragt ist, in führender Position auch dem Elisabethverein. Wie seit über 30 Jahren besucht sie in dessen Auftrag und der Kirchengemeinde Kranke.

Wilhelm Tappeser (89) aus Bad Saulgau ist Pionier der Ökumene, der Alten- und der Bildungsarbeit. Er und seine Frau Elisabeth übernahmen die ehrenamtliche Leitung der 1974 gegründeten „Ökumenischen Altenbegegnungsstätte“. Jahrzehnte stellte das Paar Programme für wöchentlich im Schnitt 60 Senioren auf die Beine. Hohe Beliebtheit und Anerkennung erfuhr die „Kleine Universität der Senioren“. Die Ökumenische Altenbegegnungsstätte ist das einzige fest institutionalisierte Seniorenprojekt der Stadt. Von der evangelischen Landeskirche in Württemberg wurde Wilhelm Tappeser mit einer ihrer höchsten Auszeichnungen, der Johannes-Brenz-Medaille, geehrt.

Veronika Veith ( 57) gehört seit 1986 dem Gemeinderat ihrer Kirchengemeinde in Starzach-Sulzau an und ist seit 1991 Zweite Vorsitzende des Gremiums. Seit Anfang der Seelsorgeeinheit 1989 gehörte sie dem Gemeinsamen Ausschuss an und fungierte als dessen Zweite Vorsitzende bis 2004. Sie ist hauptverantwortlich für die Ministranten vor Ort, schafft in den pfarreiübergreifenden Ausschüssen „Mission, Entwicklung, Frieden“ und „Ökumene“ mit, begleitet trauernde Familien und besucht kranke und alte Menschen. Seit Bestehen der Hospizgemeinschaft St. Josef arbeitet sie dort mit und ließ sich dafür ausbilden. Auch in Finanz- und Strukturfragen ist Veronika eine weit blickende und viel gefragte Fachfrau.

Marlies Walter (64) engagiert sich seit 40 Jahren in der kirchlichen und in der bürgerlichen Gemeinde von Schwendi bei Biberach. Zehn Jahre organisierte die Hauswirtschafterin und Gestaltpädagogin die Kommunion- und die Firmvorbereitung, belebte bereits Anfang der 1970er Jahre den Brauch des Palmenbindens vor Ostern, engagierte sich in der Ehevorbereitung und in der Wort-Gottes-Verkündigung. Der Erwachsenenbildung widmete sich Marlies Walter als Vorstandsmitglied im Katholischen Bildungswerk ebenso wie als Sängerin im Kirchenchor der sakralen Musik. An MS leidenden Menschen stand sie bei als Besucherin in der Klinik, begleitete Trauernde nach Partnerverlust und gehört seit zwei Jahren zur Leitung des Hospizteams.

Frieda und Edmund Zellner (70 und 71) halten von Wendlingen/Neckar aus seit 20 Jahren Kontakte mit Priestern aus Übersee und nehmen sie als Gäste auf. Das Ehepaar hat mit ihnen Hilfsprojekte angestoßen und verwaltet Spendengelder. Zu zwei Gemeinden in Nigeria unterhält die Kirchengemeinde auf Initiative der Zellners Kontakte. Frieda Zellner war viele Jahre im Kirchengemeinderat und sorgt sich akribisch darum, dass Kirche und Kirchplatz attraktiv erscheinen. Edmund Zellner gehörte auch lange dem Kirchengemeinderat an, engagiert sich als Wortgottesdienstleiter sowie als leitender Lektor und Kommunionhelfer. Lange leitete er die Kolpingfamilie Unterboihingen. Leidenschaftlich pflegt er Forschung und Gedenken an den heiligen Kolumban, den iro-schottischen Wandermönch und Patron der Wendlinger Gemeinde.

Uwe Renz