Mit Mariengruß empfangen

Monatelang war das einem ursprünglich Aschaffenburger Schneewunder-Altar entstammende Gemälde in der Landesdenkmalpflege in Esslingen konservierend saniert worden. An dem per Live-Stream im Internet übertragenen Gottesdienst in der Stuppacher Kirche Mariä Krönung nahm neben Prominenz aus Kirche und Gesellschaft auch der Direktor der Vatikanischen Museen, Arnold Nesselrath teil. Er hatte die Restauratoren beraten.

In seiner Predigt hob Bischof Fürst am Christkönigssonntag, dem letzten Sonntag im Kirchenjahr, die Botschaft des Madonnenbildes hervor. Mit vielen Motiven, Formen und Farben führe es an das Geheimnis der Menschwerdung Gottes heran. Das auf dem Schoß seiner Mutter stehende Kind strahle eine Königswürde ganz besonderer Art aus, eine ganz andere als jene weltlicher Könige. „Maria wurde dazu auserwählt, uns diesen König zu schenken, der uns erlöst hat.“ Die Stuppacher Grünewald-Madonna führe bildhaft vor Augen, dass der Menschensohn Christus sich mit allen Konsequenzen geschenkt und als König in einem „Machtwechsel“ weltliche Maßstäbe zum Heil der Menschen umgedreht habe.

Nach dem Pontifikalamt bedankte sich der Bischof bei einem Festakt ausdrücklich bei allen, die an der Sanierung des Bildes beteiligt waren, insbesondere bei den Restauratorinnen Annette Kollmann und Ursula Fuhrer, die in mühevoller Detailarbeit Hand angelegt hatten. Bei einer Dankandacht am Nachmittag meditierte Bischof Fürst das Rosen-Motiv in Grünewalds Werk, die dornenlose Rose als Königin der Blumen, Zeichen unvergänglichen und ewigen Lebens. Jeder Besucher konnte am Ende der Andacht ein grünewaldsches Rosenbildchen mit nach Hause nehmen.

Matthias Nithart Grünewald hatte das berühmte Bild, das der Rottenburger Diözesankonservator Wolfgang Urban als „Supernova der dürerzeitlichen Kunst“ bezeichnet, nach entsprechenden Rötel-Vorstudien 1516 nach Vollendung des Isenheimer Altars gemalt. Nach den Worten von Bischof Fürst ist das Werk „starkes Glaubenszeugnis von bleibendem Wert“. Seit seiner Rückkehr wird das sanierte Bild von Spezialglas in einer klimatisch geschützten und gesicherten Kapelle bewahrt. Info-Material wird den Besuchern dort den inhaltlichen Zugang zum Meisterwerk erleichtern.

Hinweis: Führungen zur Stuppacher Madonna finden ab 25. November immer mittwochs, donnerstags und freitags um 13.30 Uhr und um 14.30 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen um 13.30 Uhr und um 15.30 Uhr (außer am ersten und dritten Samstag und Sonntag im Monat) statt. Ansonsten ist die Kapelle täglich außer montags von 8.30 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Zusätzliche Führungstermine für Gruppen können unter Telefon (07931) 2605 vereinbart werden.

Uwe Renz