Diakon

Mit Menschen statt Maschinen

Stefan Renner wird am Samstag zum Diakon geweiht. In seinem künftigen Dienst, sagt er, möchte er jemand sein, der mit den Menschen geht und bei den Menschen ist.

Stefan Renner wird am Samstag zum Diakon geweiht. In seinem künftigen Dienst, sagt er, möchte er jemand sein, der mit den Menschen geht und bei den Menschen ist. Bild: DRS/Stark

Stefan Renner will Priester werden. Am 7. März wird er zum Diakon geweiht. Wir haben vorab mit ihm über Beruf und Berufung gesprochen.

Herr Renner, am 7. März werden Sie zum Diakon geweiht. Der nächste Schritt wird die Priesterweihe sein. Wieso haben Sie sich ausgerechnet für diesen Beruf entschieden?

In meinem früheren Beruf als Mechatroniker hatte ich immer das Gefühl, ich muss mich weiterbilden. Irgendetwas hat gefehlt. Zuerst dachte ich, ich mache noch den Techniker oder setze den technischen Betriebswirt drauf. Aber dann habe ich mich viel in der Jugendarbeit engagiert und gemerkt, wie wichtig mir das ist.

Sie meinen die Seelsorge?

Ja. Selbst wenn das Unternehmen 3000 Mitarbeiter hat: In der Industrie hat man einfach weniger mit Menschen zu tun als mit Maschinen. Aber ich bin in der Schönstatt-Jugendarbeit großgeworden. Bei der Arbeit mit den Jugendlichen habe ich wieder gespürt, wie sehr mir die Menschen am Herzen liegen und wie wichtig mir die Theologie ist. Deshalb habe ich mir einen Beruf gesucht, in dem ich mit Menschen zu tun habe und mit Theologie.

Aber warum ausgerechnet Priester?

Pastoralreferent oder Priester? Die Frage habe ich mir auch gestellt – und mich dann entschieden: Ich gehe den Weg als Priester.

Gab es ein besonderes Ereignis, das Ihre Entscheidung beeinflusst hat?

Nein. Entscheidend für mich waren die Erfahrungen, die ich mit anderen Priestern gemacht habe. Ich kannte ja bereits viele aus der Jugendarbeit, die hatten für mich alle eine besondere Ausstrahlung und Charisma. Das hat mich damals schon fasziniert. Viele meiner Bekannten haben zudem Theologie studiert. In Gesprächen mit Ihnen habe ich herausgefunden, dass ich diesen Weg auch gehen will.

Hatten Sie keine Zweifel?

Doch, die gehören natürlich auch dazu. Ich habe als Mechatroniker in der Industrie ja auch nicht schlecht verdient. Da fragt man sich dann schon: Will ich das wirklich noch durchziehen?

Sie wollen?

Unbedingt. Meine Zukunft liegt woanders.

Der Priesterberuf hat ja gewisse Einschränkungen…

Sie meinen den Zölibat? (lacht) Der ist natürlich eine große Entscheidung. Aber ich vergleiche das mit einer Ehe. Wenn Sie heiraten, treffen sie auch eine Lebensentscheidung – und dann haben Sie auch nicht mehr all die Freiheiten, die Sie als Single hatten. Ich wähle eine Lebensform, in der ich mich an Gott orientiere. Mein Glaube, meine Spiritualität und meine Beziehung zu Christus sind mir eine wichtige Stütze.

Wichtiger als der Wunsch, eine eigene Familie zu gründen?

Ja, denn ich gewinne dadurch auch die Freiheit, vollkommen in meinem Beruf aufzugehen. Aber letzten Endes sind wir alle nur Menschen. Und ich bin mir bewusst, dass der Weg, den ich gehe, für viele ungewöhnlich und heutzutage vielleicht auch unverständlich ist. Für mich aber ist es ein richtiger und ein wichtiger Weg.

Wie sah dieser Weg denn aus?

Kurz gefasst: Sechs Jahre Studium, in denen ich mir die ganze Theorie und den ganzen theologischen Background erarbeitet habe. Danach ging es in die praktische Ausbildung. Da ging es viel um Katechese, aber es stand auch Religionspädagogik mit Schulbesuch auf dem Plan. Wichtig war auch die Liturgie, also die Frage, was ich als Diakon alles können muss. Außerdem hatte ich Reflexionsphasen in Pastoralpsychologie, in denen es viel um Seelsorgegespräche geht. Ein Praktikum habe ich auch in der Klinikseelsorge gemacht.

Und jetzt: Endspurt. Was passiert in den nächsten Tagen?

Jetzt stehen die Exerzitien an, die geistliche Auszeit. Damit ich nochmal zur Ruhe kommen kann vor dem großen Tag.

Schon aufgeregt?

Der Tag rückt näher und die Anspannung steigt. Das ist wieder ähnlich wie vor einer Hochzeit: Natürlich weiß ich, was auf mich zukommt, aber aufgeregt bin ich trotzdem.

Wissen Sie schon, wie und wo es nach der Weihe weitergeht?

Wo, das weiß nur der Bischof. Ich erfahre es erst am Tag nach der Diakonweihe. Aber es stehen auf jeden Fall die diakonischen Dienste an. Ich werde einem Priester bei der Liturgie assistieren, bei Taufpastoral und Trauerpastoral. Vor allem werde ich die sozialen Aufgaben der Kirche begleiten. Wie das dann genau aussieht, das kommt natürlich immer auf die Gemeinde an.

Haben Sie eine Wunschgemeinde?

Nein, da bin ich total offen. Ich war vier Jahre im Badischen und zuletzt in der Nähe von Bonn. Das war alles schön. Aber ich freue mich, dass ich wieder in unserer schönen und vielfältigen Diözese bin.

Wenn Sie noch einen Schritt weiterdenken: Was möchten Sie mal für ein Priester sein?

Einer, der ganz stark in der Gemeindearbeit tätig ist. Auch jetzt schon als Diakon. Ich möchte jemand sein, der mit den Menschen geht und bei den Menschen ist. Der Pastoral wegen habe ich mich vor zwölf Jahren entschlossen, diesen Schritt zu gehen. Nicht, weil ich Karriere machen will.

Jetzt, da Sie in den letzten Zügen Ihrer Ausbildung sind: Muss sich der Priesterberuf ändern?

Unser Beruf muss sich immer wieder ändern, und das tut er auch ständig. Wenn Sie mit Priestern sprechen, die seit 35 Jahren im Dienst sind, dann merken Sie schnell: Die haben ein ganz anderes Bild von ihrem Beruf vermittelt bekommen, als ich es jetzt habe. Viele waren zum Beispiel ganz starke Einzelkämpfer.

Sind Sie ein Teamplayer?

Natürlich. Wir Priester müssen ganz besonders teamfähig sein – gerade in der Seelsorge, wo wir mit Pastoral- und Gemeindereferenten und –referentinnen zusammenarbeiten. Wenn wir es im Team nicht schaffen, die Kirche und ihre Vielfalt abzubilden, dann werden wir die Menschen nicht erreichen.  

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Die Weihe von Stefan Renner zum Diakon erfolgt im Rahmen eines Gottesdienstes mit Weihbischof Thomas Maria Renz durch Handauflegung und Gebet. Beginn ist am Samstag, 7. März, um 9.30 Uhr im Dom St. Martin in Rottenburg. Im Anschluss an den Gottesdienst gibt es einen Stehempfang im Priesterseminar.  
 

Zur Person

Stefan Renner aus Griesingen

Stefan Renner (36) stammt aus Griesingen bei Ehingen an der Donau. Nach dem Realschulabschluss 2001 machte er eine Ausbildung zum Mechatroniker bei der Liebherr-Werk-Ehingen GmbH, wo er hernach weiter in dem Beruf arbeitete. Im September 2008 wechselte er ans Seminar Sankt Pirmin in Sasbach, machte dort im Juli 2012 sein Abitur und begann im selben Jahr noch mit dem Theologie-Studium in Tübingen. Nach der propädeutischen Phase wechselte er 2015 ans überdiözesane Priesterseminar Sankt Lambert, Grafschaft-Lantershofen. Dort schloss er 2019 sein Studium ab und trat im September 2019 ins Priesterseminar Rottenburg ein.