„Mit scharfsinnigem theologischem Esprit“

Rottenburg. 17. Juni 2014. Mit einer heiligen Messe im Rottenburger Dom St. Martin und einem Empfang hat die Diözese Rottenburg-Stuttgart das Silberne Bischofsjubiläum ihres früheren Bischofs Walter Kasper gefeiert. Bischof Gebhard Fürst wünschte dem Kardinal, dieser möge weiterhin seinen „scharfsinnigen theologischen Esprit“ behalten. Er erinnerte an die Initiative Kaspers 1993 zusammen mit den Bischöfen Lehmann (Mainz) und Saier (Freiburg) für barmherzigeren Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen.

Das Schreiben der drei Bischöfe, das besonders Einzelfälle in den Blick nehme und das Gewissen als Kriterium benenne, sei bis heute Grundlage der Beratungen der Deutschen Bischofskonferenz, so der Rottenburger Bischof. „Wir sind zuversichtlich, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft neue Wege beschreiten können.“ Bischof Fürst bescheinigte dem Jubilar, dieser habe in seiner zehnjährigen Amtszeit „das Gesicht unserer Diözese nachhaltig geprägt“. Ein wichtiger Impuls sei gewesen, den Diözesanpatron Martinus „deutlicher ins Bewusstsein einzustiften“.

Kardinal Kasper, der Glückwunschschreiben von Papst Franziskus und Kardinal Karl Lehmann bekommen hatte, verwies in seiner Predigt auf das Evangelium Christi als Basis aller Anstrengungen zur Erneuerung, „sonst hängt alles andere in der Luft“. Die Wahrheit könne nicht aufgezwungen und auferlegt werden, „man kann sie nur vorlegen und vorleben. Glaubhaft ist nur die Liebe“, so Kardinal Kasper, der als Bischof den Wahlspruch „Veritatem in caritate“ (Wahrheit in Liebe). Er berief sich auf Papst Franziskus, der eine Kirche im Aufbruch wünsche, die an die Ränder des Lebens geht. „Vielleicht sind wir in Deutschland noch zu viel mit uns selbst beschäftigt“, sagte der Kardinal.

Uwe Renz