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Mit Visionen und Widerstand

Foto: Annabel Munding, keb Ravensburg

Im Rahmen der „Reuter Gespräche zur Erwachsenenbildung“ beschreibt Pfarrer Thomas Frings seinen Weg, der ihn zunächst zur Priesterweihe führte.

Wenn es ein katholisches Gen geben würde, er hätte es: So beschreibt Thomas Frings bei seinem Vortrag im Rahmen der „Reuter Gespräche zur Erwachsenenbildung“ im Bildungshaus Maximilian Kolbe in Reute bei Bad Waldsee seinen Weg, der ihn zunächst zur Priesterweihe führte. In der gemeinsamen Veranstaltung der Einrichtungen der Katholischen Erwachsenenbildung keb Bodenseekreis, keb Dekanate Biberach und Saulgau und keb Kreis Ravensburg berichtet der Theologe, wie er zweifelte, mit einem Buch Widerstände provozierte, nicht mehr Pfarrer sein wollte - und dann doch wieder als Pfarrvikar zurückkehrte.

„Gott funktioniert nicht. Deswegen glaube ich an ihn“ lautet der Titel seines aktuellen Buchs. Im Februar 2016 kündigte Thomas Frings an, aus seinen Ämtern im Bistum Münster auszuscheiden. Seine Auszeit führte ihn in eine niederländische Benediktinerabtei. Damals macht ihn der „Bedeutungsverlust vom in der Kirche gelebten Glauben“, wie er es nannte, persönlich zu schaffen. Sein erstes Buch trägt den Titel „Aus, Amen, Ende? So kann ich nicht mehr Pfarrer sein“.

So ganz trifft der Titel heute nicht mehr auf das Leben des Theologen zu. Inzwischen lebt er bei den Kölner Benediktinerinnen und ist Pfarrvikar in einer Kölner Kirchengemeinde. Was geblieben ist, ist das Fragen, Nachdenken und Zweifeln. Er sagt, er wurde Pfarrer, wegen der Messe. Doch auch hier hadert er mit Riten und Auffassungen der Kirche und mancher Gläubigen: „Jesus ist nicht gekommen, um Wein und Brot zu verwandeln. Er ist gekommen, um mich zu verwandeln!“ erklärt er, wenn er den Eindruck hat, die Menschen ließen sich zu wenig berühren. Ihm fehle die Lebendigkeit, oft auch die der Gemeinde. Eine mangelnde Motivation bei der Gottesdienstfeier relativiere die Bedeutung dessen was geschehe. Damit meint Frings die Routine beim Pfarrer und der Gemeinde. „Fünfzig Prozent nehme ich als Priester auf meine Kappe – aber fünfzig Prozent gebe ich zurück“. Die Ambivalenz, die sich im Buchtitel widerspiegelt, bleibt Frings ständiger Begleiter.

Thomas Frings geht es zu langsam mit der Weiterentwicklung einer Kirche, die über Austritte klagt. Man tue sich immer noch zu schwer mit der Weiterentwicklung, vertrete als Kirche bei Frauen im Priesteramt eine Haltung, die nicht mehr vermittelbar sei. Eine Verantwortung dafür sieht er auch bei seinen Kollegen im Priesteramt. „Nicht wenige von den jungen Brüdern sind mit dem zufrieden, wie es ist“. Doch ist die Messe wirklich gelesen?

Nein, erklärt der Autor, der von sich sagt, er sei eigentlich ein wertekonservativer Mensch. Er glaubt an Religion und weiß, dass es dafür kein vernünftiges Argument dafür gibt. Thomas Frings tritt für einen Dialog der Religionen ein: „Was uns trennt, ist nicht unsere Verschiedenheit, sondern unsere Verschlossenheit“, kritisiert er die mangelnde Bereitschaft zum Gespräch. Auf der einen Seite möchte er vielen Menschen mit künstlerischen und modernen Ideen zeigen, wie großartig und aufgeschlossen Kirche sein kann, doch es geht ihm nicht um die Zählung der Gottesdienstbesucher: „Es steht nirgends geschrieben: Macht die Kirche voll“.

Sechzig Zuhörer erlebten einen Priester, der nicht lockerlässt und seine Kirche nicht aufgibt – auch wenn es manchmal so scheint, als würde er an ihr verzweifeln.