Moderne Funktionalität und Treue zum historischen Bestand

Die bis in das Jahr 1997 zurückreichenden Planungen zur dringend anstehenden Sanierung des Bischöflichen Palais und des benachbarten Rohrhalder Hofs in Rottenburg können jetzt in die Tat umgesetzt werden, ebenso der Neubau des Diözesanarchivs und eines Gebäudes mit Büro- und Tagungsräumen für die Hauptabteilungen und Arbeitsbereiche des Bischöflichen Ordinariats, die bislang auf 13 Standorte in Rottenburg verteilt waren.

Generalvikar Clemens Stroppel hat am Donnerstag, 4. Dezember, die umfangreichen Baumaßnahmen mit einem Gesamtvolumen von 36,5 Millionen Euro vor Medienvertretern erläutert. Zugleich bestätigte er auf Anfrage der Journalisten das Bekenntnis von Bischof Gebhard Fürst zu Rottenburg als erster Bischofsstadt der Diözese.
Der dringend erforderliche Bedarf dieser Sanierungs- und Neubaumaßnahmen ist nach Aussage von Stroppel mehrfach begründet: Die verschiedenen Abteilungen der Diözesanverwaltung („Diözesankurie“) sind derzeit auf 13 Gebäude im gesamten Rottenburger Stadtbereich verteilt; die Zusammenführung der Diözesankurie in einem gemeinsamen Gebäudekomplex ist für eine effiziente Zusammenarbeit und zeitgemäße Organisationsentwicklung unerlässlich. Der bautechnische Zustand des ehemaligen Jesuitenkollegs aus der Renaissancezeit ist teilweise sehr bedenklich, insbesondere die im Keller eingelagerten wertvollen Archivalien des Diözesanarchivs sind dadurch von Schaden bedroht. Die Büroräume vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befinden sich auf dem Stand der 1960er Jahre, dasselbe – was noch viel bedenklicher ist – gilt für die heizungs- und energietechnische Ausstattung des Gebäudes. Eine Lösung dieser Probleme erfordert umfangreiche Sanierungs- und Umbaumaßnahmen, ergänzt durch einen Neubau, der mit dem historischen Gebäudebestand verbunden ist. Die äußeren Rahmenbedingungen, unter denen die Mitarbeitenden der Rottenburger Hauptabteilungen des Bischöflichen Ordinariats ihrer Tätigkeit nachgehen – und zwar unter einem gemeinsamen Dach -, sollen künftig heutigem Standard entsprechen; ebenso müssen die Bestände des Diözesanarchivs für die Zukunft gesichert werden. Das historische Renaissanceportal an der Fassade des Ostflügels wird wieder hergestellt und als Gedenkstätte für den Bekennerbischof Joannes Baptista Sproll gestaltet. Nicht zuletzt gebieten es die Probleme des Klimawandelns, dass die eingesetzte Energietechnologie modernsten Anforderungen gerecht werden.

Professor Arno Lederer erläuterte die planerischen und logistischen Überlegungen, mit denen das Stuttgarter Architekturbüro Lederer, Ragnarsdóttir, Oei im Jahr 2002 den Wettbewerb gewonnen hatte und die den funktionellen Bedarf einer modernen Diözesanverwaltung, die Berücksichtigung des historischen Gebäudebestands, die Integration in ein gewachsenes städtebauliches Gesamtbild und ebenso die Kriterien nachhaltiger Energietechnologie in einem Gesamtkonzept integrieren. Eckpunkte des Gestaltungsentwurfs, der sich deutlich an dem städtebaulichen Bild des historischen Rottenburg orientiert, sind neben der Sanierung des ehemaligen Jesuitenkollegs aus der Renaissancezeit und des barocken Rohrhalder Hofs vor allem der Neubau eines Eingangsgebäudes, das die Bauformen der vor zweihundert Jahren abgerissenen Klosterkirche St. Joseph nachempfindet, der Neubau eines Verwaltungstrakts in der Fluchtlinie der ehemaligen Stadtmauer sowie des in die Tiefe gebauten Diözesanarchivs. Das so genannte Domherrenhaus aus dem Jahr 1922 soll abgerissen werden. Die aus den 1960er Jahren stammende Heizungs- und Elektrotechnik soll, so Generalvikar Stroppel, durch energietechnische Lösungen ersetzt werden, die modernstem Standard sowie den Zielvorgaben der Klima-Initiative der Diözese Rottenburg-Stuttgart entsprechen.

Das Investitionsvolumen der baulichen Maßnahmen beläuft sich insgesamt auf 36,5 Millionen Euro. Diese teilen sich folgendermaßen auf:

Neubau Büro und Anlieferung: 16.580.000 €
Neubau Archiv ohne Lesesaal: 7.750.000 €
Sanierung Palais u. Rohrhalder Hof: 8.870.000 €
Sicherheiten: 1.800.000 €
Archäologische Grabungen: 1.500.000 €

Auf Grund langjähriger zweckgebundener Rücklagen und eines seit längerem vorgesehenen Investitionsetats im Diözesanhaushalt bis 2013 erfordert die Finanzierung dieses Sanierungs- und Bauvorhabens keine Einsparungen bei anderen wichtigen diözesanen Aufgaben.