Moderne Medienwelt und die „Kategorie Verantwortung“

Deshalb hätten die deutschen Bischöfe zu Beginn des Jahres beschlossen, die Internetpräsenz der katholischen Kirche auszubauen und mit einem eigenen kirchlichen Angebot den Glauben auch künftig authentisch vermitteln zu können, betonte der Medienbischof. „Wir können das Feld nicht den Sekten und fundamentalistischen Gruppen überlassen“, betonte Bischof Fürst. „Wenn jemand im Internet nach Antworten auf Fragen des Glaubens sucht, soll er auch die authentische Stimme der Kirche finden.“ Die Kirche müsse auf „die Authentizität unseres Glaubenszeugnisses“ setzen. Virtuelle Fluchtwelten könnten Zeitvertreib für ein paar Stunden bringen, aber nicht die existenziellen Fragen der Menschen beantworten „und schon gar nicht Erlösung bringen“.

Der Medienbischof wies darauf hin, dass CAMECO als international tätige Organisation mit Sitz in Aachen im Jahr 1969 auf Grund der Impulse des Zweiten Vatikanischen Konzils für die Medienarbeit der Kirche gegründet worden sei. Die neue Ausrichtung der katholischen Medienarbeit gehöre „zu den unbestreitbar wichtigen Errungenschaften des Konzils“. Für päpstliche Schreiben wie die 1971 veröffentlichte Pastoralinstruktion „Communio et Progressio“ seien Gemeinschaft und Fortschritt die höchsten Ziele der medialen Kommunikation gewesen. Als Maßstab der Beurteilung habe „Menschendienlichkeit und Orientierung am Gemeinwohl“ gedient, erläuterte Bischof Fürst. In einer globalen Perspektive sei man von der Vorstellung eines „Runden Tischs“ ausgegangen, der Menschen weltweit verbinde. Als Gebot der Zeit sei es damals betrachtet worden, weltweit eine Beteiligungsgerechtigkeit auch im Zugang zu den Medien herzustellen. Von diesem Geist einer Menschen und Völker verbindenden Verantwortung sei auch das Wirken von CAMECO geprägt, das nach den Worten von Bischof Fürst „als eine hoch angesehene Institution wertvolle Arbeit in der Förderung der Medienarbeit in Afrika, Asien und Lateinamerika und seit 1993 auch für Mittel- und Osteuropa sowie für die Staaten der früheren Sowjetunion geleistet hat und weiter leistet“.

Heute habe sich die Medienlandschaft gegenüber der Konzilszeit radikal verändert, betonte der Medienbischof. Das Bild des „Runden Tischs“ sei der Vorstellung eines weltweiten Netzwerks gewichen, das unendlich viele Möglichkeiten der Kommunikation biete. Die Kommunikation mit Worten werde großenteils durch eine „Dominanz der Bilder“ verdrängt. Den unzweifelhaft vorhandenen positiven Möglichkeiten stünden auch problematische und schädliche Formen der Nutzung wie Mobbing im Internet, Abschöpfung von Nutzerdaten für kommerzielle Zwecke oder gewalthaltige Spiele gegenüber. Die zentrale Frage für die Kirche sei es angesichts dieser Entwicklung heute, „nicht nur über die Nutzung von Möglichkeiten nachzudenken, sondern auch die Kategorie der Verantwortung für unser Handeln und für gesellschaftliche Entwicklungen in den Blick zu nehmen und die Blicke der Menschen darauf zu lenken“, betont der Bischof.