Musik ist Sprache, wo die Sprachen enden

Musik und insbesondere Kirchenmusik seien, so Bour, „völkerverbindend, religionsübergreifend und friedensstiftend“. Mit dem Hinweis auf die Schwäbisch Gmünder Uraufführung der „Reflexionen für Chor a Capella“ des Stuttgarter Komponisten Detlef Dörner machte er deutlich, dass „sich in allen Religionen die Begriffe Reflexion, Kontemplation und Ekstase“ finden.

Es sei wohl begründet, dass nach katholischem Verständnis die Kirchenmusik nicht nur „Zutat und Ausschmückung unserer Gottesdienste“ sei, sondern „zur gottesdienstlichen Mitte der Kirche“ gehöre und „selber Gottesdienst“ sei, betonte der Prälat. Glaube komme vom Hören auf Gottes Wort. „Wo Gottes Wort in Menschenwort übersetzt wird, bleibt ein Überschuss an Unsagbarem, der uns zum Schweigen ruft, in ein Schweigen, das schließlich das Unsagbare zum Gesang werden lässt, damit das Unsagbare doch hörbar wird“, sagte Bour. In Abwandlung eines bekannten Wortes des Philosophen Ludwig Wittgenstein könne man daher sagen, wovon man nicht sprechen könne, davon müsse man singen und musizieren. „Eine Kirche, die nicht mehr singt, hat ihre Glaubensfreude und ihre Glaubenskraft verloren“, betonte Bour. In den Komponisten geistlicher Musik habe die oft unzulängliche Verkündigung der Kirche „machtvolle Verbündete“ gefunden. Sie ließen ahnen, dass es jenseits unseres Lebens „noch eine andere Dimension des Seins“ gebe, eine Wirklichkeit, vor die Sprache versage.