"Musik ist Teil der Liturgie - nicht nur deren Zierde"

Weihbischof Johannes Kreidler, Kirchenmusikbeauftragter der Diözese, würdigte aus Anlass des nur alle zehn Jahre stattfindenden Kirchenmusiktages am Freitag in Weingarten vor Journalisten die Leistungen der Chorsänger und Orchestermusiker. Jede Sängerin und jeder Sänger sowie jeder Instrumentalist trage zum Gesamtklang bei und folge einer wichtigen Berufung, sagte Kreidler. Musik sei mehr als bloße Zierde; sie gehöre vielmehr zum Vollzug der Liturgie. Sakralmusik drücke Unsagbares aus und weise auf eine Welt hin, die das Hier und Jetzt übersteigt. Zudem führe sie Menschen zusammen, fördere Gemeinsamkeit und wirke der Vereinsamung entgegen.

Diözesankirchenmusikdirektor (DMD) Walter Hirt stellte einen starken demografischen und strukturellen Wandel in den Chören fest. Viele der insgesamt rund 630 Kirchenchöre in der württembergischen Diözese seien zunehmend überaltert und im Schwinden begriffen. Oft fehle es zudem an Männerstimmen.
Gleichwohl bescheinigte der oberste Kirchenmusiker der Diözese den Chören große Vitalität und Begeisterung. Verstärkt seien in den vergangenen Jahren Kinder- und Jugendchöre entstanden. Sie und die traditionellen Chöre folgten mit ihrem Engagement "ihrer persönlichen Form der Berufung", sagte Hirt. Vokalisten und Instrumentalisten im Dienst der Sakralmusik seien vielfach auch gesellschaftlich aktiv und leisteten mit ihrem kirchenmusikalischen Engagement auf hohem und bisweilen höchstem Niveau Beiträge für die Gesamtgesellschaft, so der DMD. Der Musiktag solle vielfältige Anregungen geben und spüren lassen, dass die Chöre keine über die Diözese verteilten Einzelteile seien, sondern "an einem kulturellen und geistlichen Gesamtwerk mitwirken".

Der Diözesan-Kirchenmusiktag wird mit einer Musiknacht vom 5. zum 6. Oktober (Freitag auf Samstag) in der Basilika von Weingarten eingeleitet. Ein Höhepunkt der Nacht wird sein, dass unter den Klängen der Chöre von der Kuppel der Basilika papierene Rosenblätter fallen. Zum Programm am Samstag gehören Diskussionspodien, Workshops und Proben. Der Musiktag endet mit einem Abschlusskonzert in der Basilika.

Zum Zeichen, dass die Sängerinnen und Sänger in der Diözese im Verbund stehen, wurden die Noten für den Abschlussgottesdienst allen katholischen Kirchenchören in Württemberg zur Verfügung gestellt. Die Sängerinnen und Sänger wurden zudem ermuntert, zeitgleich mit den Aufführenden in Weingarten am Samstag ihre Gottesdienste vor Ort mit den Gesängen zu gestalten, darunter eine Neukomposition des Schramberger Kirchenmusikdirektors Rudi Schäfer für 13-stimmigen Chor und Röhrenglocken. Außerdem wird die abendliche Liturgie durch eine Chor-Improvisation mit allen 2.000 Sängern bereichert.