Mutig für die Frauen in der Kirche

Als herausragende Persönlichkeit habe sie ihre vielfältigen Fähigkeiten hauptberuflich wie im Ehrenamt in den Dienst einer zukunftsfähigen Kirche gestellt, teilte Bischof Fürst am Samstag zum Tod der im Alter von 86 Jahren nach schwerer Krankheit verstorbenen promovierten Theologin mit. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart verliere mit ihr eine ungewöhnlich kompetente und mutige Persönlichkeit, die sich im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils für eine menschennahe und frauenfreundliche Kirche engagiert habe. „Sie hat sich um die Diözese Rottenburg-Stuttgart verdient gemacht.“ Seine hohe Wertschätzung habe sie immer gehabt, sagte der Bischof.

Gabriele Miller kam am 29. August 1923 in Winzingen im Kreis Göppingen zur Welt. 1947 begann sie ihr Studium am Pädagogischen Institut in Reutlingen, nach dem sie als Lehrerin bei Ravensburg arbeitete. 1954 schloss Gabriele Miller ihr Studium der katholischen Theologie an der Universität Tübingen ab. Als eine der ersten Frauen nach dem Krieg überhaupt konnte sie dort promoviert werden, worum sie intensiv gekämpft hatte. Sie arbeitete bis 1968 als Religionslehrerin. Neben diesem Dienst absolvierte sie ein Philologie- und Pädagogikstudium. 1968 wurde sie zur Studiendirektorin ernannt und als Referentin im Bischöflichen Schulamt beauftragt. Ihre Kompetenz brachte sie seit 1982 in die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Diözese ein. Dort betreute die mit einem Ehrendoktortitel der Universität Tübingen sowie hohen kirchlichen und weltlichen Ehrungen ausgezeichnete Wissenschaftlerin auch die "Informationen", das offizielle Organ des Diözesan- und des Priesterrats.

Besondere Beziehungen pflegte Gabriele Miller nach Guatemala. Dort unterstützte sie in herausragender Weise das von dem Jesuitenpater Franz von Tattenbach 1979 gegründete Schul- und Bildungsradio „Iger“. Sie initiierte dafür eigens einen Freundes- und Förderkreis; die Diözese Rottenburg-Stuttgart gründete zur Unterstützung von „Iger“ 1999 eine Stiftung "El Maestro en Casa".

1988 wechselte Gabriele Miller in den Ruhestand, in dem sie weiterhin zu Themen der Theologie, der Theologie und zu Frauenfragen publizierte. Bekannt wurde sie auch als Autorin von Gebets- und Meditationsbüchern. Seit 1992 gehörte sie der Frauenkommission der Diözese an und stand ihr lange Zeit vor. Große Verdienste erwarb sie sich auch um den Deutschen Katechetenverein, dem sie von 1970 bis 1983 vorstand. Von 1990 an war Gabriele Miller Lehrbeauftragte sowohl an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Saarbrücken als auch der Abteilung für Religionspädagogik der Universität Tübingen. – Gabriele Miller wird am Donnerstag auf dem Sülchenfriedhof in Rottenburg beerdigt.