„Mutig, unbeirrbar und mit wachem Verstand“

Dort war Pater Mayer nach seiner Priesterweihe 1899 in Rottenburg ein Jahr lang Vikar. „Es war wohl die sorgloseste Zeit meines Lebens“, zitierte der Bischof den Ordensmann. „Der christliche Gottesglaube diente dem von den Nationalsozialisten drangsalierten Pater als sichere Orientierung in schwerer Zeit“, Rupert Mayers Leben zeige, wie Widerständigkeit aus dem Glauben aussieht, wenn unmenschliche Ideologien Oberhand zu gewinnen drohen.

In Spaichingen feierte Bischof Fürst im Gedenken an den seligen Pater einen Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul. Er segnete ein von dem Theologen und Künstler Uli Viereck gemaltes Portraitbild Mayers. Es hängt im Spaichinger Edith-Stein-Gemeindehaus. Der Segnung schloss sich eine Begegnung in der Rupert-Mayer-Schule, freie katholische Schule der Diözese, an. Die Schüler konzipierten zum Leben des „Apostels Münchens“ Unterrichtsprojekte mit Gebetswerkstatt, Liedaufführungen und Kunstobjekten. Präsentiert wird auch eine Ausstellung zum Leben des Paters.

Zur Welt kam Rupert Mayer 1876 in einem Geschäftshaus am Stuttgarter Marktplatz. In der Kirche St. Eberhard wurde er getauft, dort war der Schüler des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums auch Ministrant. Nach Studium in Freiburg/Schweiz, Tübingen und München sowie dem Vikariat in Spaichingen schloss er sich 1900 in Feldkirch den Jesuiten an und kam 1912 nach München als Seelsorger für die in Not lebenden Zugereisten. Bald erwarb sich der Pater den Ruf eines „15. Nothelfers der Münchner“. Im Ersten Weltkrieg, in dem er als Feldgeistlicher im Elsass, in Galizien und in Rumänien war, verlor er ein Bein.

Als die Nationalsozialisten an die Macht gekommen waren, bot er ihnen mutig die Stirn, wurde mehrfach wegen „Kanzelmissbrauchs“ und „Verstoßes gegen das Heimtückegesetz“ verhaftet und kam schließlich ins KZ Sachsenhausen. Dort wurde Pater Mayer krank, nur aus Furcht vor einem möglichen Märtyrer Mayer ließen ihn die Nationalsozialisten im Kloster Ettal bis Kriegsende internieren. Am Allerheiligentag 1945, ein halbes Jahr nach Kriegsende, starb Pater Mayer an einem Schlaganfall. Seine letzten Worte waren: „Es ist der Herr…, der Herr…, der Herr.“ Am 3. Mai 1987 sprach ihn Papst Johannes Paul II. selig.

Der Jesuitenpater wird in der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Zentrum eines von Papst Benedikt XVI. für die Weltkirche angeregten Jahrs des Glaubens stehen, das er am 11. Oktober 2012 ausrufen wird. Für die württembergische Diözese eröffnet Bischof Fürst am 14. Oktober dieses Jahr, in dem Glaubenszeugen wie Pater Mayer, Bischof Joannes Baptista Sproll und Pater Philipp Jeningen als Glaubensvorbilder ins Bewusstsein gerückt werden.