Nach Jahren der Verfolgung ein Ort der Sicherheit

Der Apostolische Visitator der Chaldäer in Europa, Msgr. Philip Najim, war am Montag, 14. März, im Rottenburger Bischofshaus zu Gast. Begleitet wurde er von Pfarrer Sizar Sleewa Majeed, dem von der Diözese Rottenburg-Stuttgart bestellten Seelsorger der Christen aus dem Irak. Bischof Fürst hatte zum 1. Januar 2011 auf Ersuchen des Patriarchen von Babylon, Emmanuel III. Kardinal Delly, die Gemeinde für die rund 300 Familien mit Sitz in Stuttgart errichtet. Am Sonntag, 13. März, wurde die Gemeindegründung in der Kirche St. Clemens in Stuttgart-Botnang mit einem feierlichen Gottesdienst eröffnet. Die zur Botnanger Kirchengemeinde St. Clemens gehörende Christus-Erlöser-Kirche wurde den Christen aus dem Irak als Gottesdienstort zur Verfügung gestellt.

Er freue sich, dass die Diözese den chaldäischen Christen nach all den Jahren schwerer Verfolgung in ihrer Heimat hier einen Ort des Willkommens und der Sicherheit geben könne, in der sie in Freiheit ihren Glauben leben können, sagte Bischof Fürst.

Die chaldäisch-katholische Kirche, eine aus der „Kirche des Ostens“ hervorgegangene orientalische Kirche mit ostsyrischem Ritus, ist eine der ältesten Kirchen der Christenheit und reicht weit in die Zeit der frühen Kirche zurück. Der Legende nach soll sie sogar vom Jesus-Jünger Thomas um die Mitte des 1. Jahrhunderts gegründet worden sein. Die chaldäisch-katholische Kirche ist in Frankreich, Georgien, Indien, Irak, Iran, Israel, Jordanien, Libanon, in den palästinensischen Autonomiegebieten, in Syrien, in der Türkei und den USA vertreten. Sie steht in voller Kirchengemeinschaft mit dem Papst in Rom. Ihr Oberhaupt ist der Patriarch von Babylon, seit 1950 mit Sitz in Bagdad. Ihre liturgische Sprache ist altsyrisch, da aber die meisten ihrer Mitglieder arabisch sprechen, hat sich auch im Gottesdienst das Arabische etabliert. Wegen anhaltender Verfolgungen hat sich die Zahl der chaldäischen Christen im Irak in den letzten Jahren stark verringert. Von der Europäischen Union wurden in den letzten Jahren 10.000 chaldäische Flüchtlingsfamilien aus dem Irak aufgenommen; von den 2.500 der Bundesrepublik Deutschland zugewiesenen Familien leben etwa 300 im Bereich der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Dr. Thomas Broch