„Nahe bei den Menschen“

Mosers Wahlspruch „Ut habeant vitam“ (Damit sie das Leben haben) bringe die Persönlichkeit des wegen seiner Volksnähe beliebten Bischofs treffend zum Ausdruck, sagte Bischof Fürst am Mittwochabend in einem Gedenkgottesdienst im Rottenburger Dom St. Martin. „Leidenschaftlich sorgte sich Bischof Moser sich um das Heil der Menschen und suchte mit Freude deren Nähe.“

Der am 10. Juni 1923 in Leutkirch geborene Moser leitete die Diözese, die er 1987 in Rottenburg-Stuttgart umbenannte, von 1975 bis zu seinem Tod 1988. Besonders hob Bischof Fürst die Sorge Mosers um die Weitergabe des Glaubens an die kommende Generation hervor. Aus dieser Motivation habe der Oberhirte aus dem Allgäu die Diözesansynode 1985 einberufen, bereits zehn Jahre nach der Würzburger Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik. Mit der Einberufung der Synode habe der neunte Rottenburger Weihbischof seine Absicht bekräftigt, die frohe Botschaft Christi in einer Zeit großer gesellschaftlicher Umbrüche menschendienlich zu verkünden. Vielen Menschen habe Moser mit seinen theologisch tief fundierten und pastoral stimmigen Positionen, die er in klarer und verständlicher Sprache formulierte, Orientierung gegeben.

Georg Moser war von 1970 an Weihbischof, bevor er fünf Jahre später zum Bischof der Diözese Rottenburg ernannte wurde. Vor seiner Amtszeit als Weihbischof und Bischof hatte Moser von 1961 an die Akademie der Diözese geleitet. Früh lernte er, sich mit ganz unterschiedlichen Positionen auseinander zu setzen, so als Leiter des Ehinger Bischöflichen Konvikts und als Studentenpfarrer in Tübingen.

Wie der heutige Bischof Gebhard Fürst amtierte Moser als Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, als so genannter Medienbischof. Als Präsident gehörte er der deutschen Sektion der internationalen Friedensbewegung Pax Christi an. Seine Bücher vermittelten unzähligen Menschen, auch vielen Nichtkatholiken, Orientierung, Lebenshilfe und Trost. Schwer belastete den Bischof der Konflikt zwischen dem Tübinger Theologen Hans Küng und dem Vatikan, der zum Entzug der Lehrerlaubnis Küngs 1979 führte. Alle Vermittlungsversuche Mosers waren vergeblich. Den Namen des Bischofs aus dem Allgäu trägt die 2004 gegründete Bischof-Moser-Stiftung. Sie wurde gegründet, um pastorale Berufe und Dienste in der Diözese nachhaltig zu stützen.

Ab Mittwoch, 18 Uhr, ist auf www.drs.de eine Bildergalerie mit Archivfotos von Bischof Moser zu sehen.

Uwe Renz