Neue Ideen für menschenwürdiges Altern

Das unter dem Motto „in Verbindung“ von der katholischen Birkenfelder Kirchengemeinde Heilig Kreuz getragene Projekt baue der Vereinzelung und Vereinsamung von älter werdenden Menschen vor, sagte der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst am Donnerstag in Birkenfeld im Enzkreis vor Journalisten bei der Vorstellung des seit einem Jahr laufenden Projekts. Das vom Forum Katholische Seniorenarbeit in der Diözese Rottenburg-Stuttgart begleitete Netzwerk umfasst unter anderem Seniorennachmittage, ein Ökumenisches Forum mit Themen für Ältere, Donnerstagstreffs und jährliche Freizeiten für Senioren. Zum Profil des wissenschaftlich begleiteten Projekts gehört auch ein geplantes ehrenamtlich betreutes Senioren-Telefon.

Bischof Fürst betonte, jede Zeit brauche ihre eigenen Modelle dafür, wie Älterwerden menschenwürdig gelingen kann. Christen könnten sich nicht mit einer hohen Zahl einsamer und verzweifelter Menschen abfinden. Es sei nicht hinnehmbar, dass fast die Hälfte der Menschen in Deutschland, die sich das Leben nehmen, über 60 Jahre alt sind. „Es liegt an uns, wie Menschen um uns herum älter und alt werden können“, sagte der Bischof. Christen vertrauten auf den Gott des Lebens, „der Leben schenken und erhalten will – gegen alle Todesstrukturen“. Das Christentum habe es über Jahrhunderte verstanden, fantasievoll Zusammenleben so zu organisieren, „dass die Menschen ihre Lebensmelodie hören konnten und nicht stumm in Vereinsamung und Verzweiflung versinken mussten“. Als Beispiele für gelingendes christliches Zusammenleben nannte Bischof Fürst die ersten in der Bibel bezeugten Gemeinden, die Lebenskultur von Orden und Klöstern und heute neu entstehende Formen christlich motivierten Zusammenlebens.

Johannes Warmbrunn, stellvertretender Leiter des Referats Pflege und Altenhilfe im baden-württembergischen Sozialministeriums und Sprecher des Diözesanrats von Rottenburg-Stuttgart, forderte Weichenstellungen mit Blick auf den demografischen Wandel. Das familiäre Pflegepotenzial werde erheblich sinken, sagte er. Dazu komme eine sich weiter zuspitzende Finanzlage im Pflegewesen. Im eigenen Interesse sollten sich künftige Generationen „aus eigener Kraft Unterstützungspotenziale für ihren Pflegebedarf in der häuslichen Umgebung erschließen“. Kirchengemeinden oder Vereine könnten dafür eine Basis bieten, so Warmbrunn. Dabei sollte sich in den Senioren-Netzwerken eine neue Form des „Welfare-Mix“ bilden, eines Miteinanders von hauptamtlich und ehrenamtlich Engagierten. Das baden-württembergische Sozialministerium finanziert die wissenschaftliche Begleitung des an fünf Standorten (Birkenfeld, Ulm-Söflingen, Lenningen, Heilbronn und Konstanz) realisierten Projekts Senioren-Netzwerke mit 48.000 Euro.

Joachim Drumm, Leiter der Hauptabteilung Kirche und Gesellschaft im Rottenburger Ordinariat, verwies auf ein Netzwerk in Birkenfeld, in dem Gemeindeseelsorge, Caritas, Bildungswerk und die Seniorenarbeit eng verwoben sind. Dabei sollen Betroffene zu Beteiligten werden. Die Arbeit vor Ort werde vor allem von Ehrenamtlichen gemacht, die von Hauptamtlichen begleitet und qualifiziert werden. Im Unterschied zu Seniorengenossenschaften soll das Senioren-Netzwerk auch jenen offen stehen, „die nicht in der Lage sind, für die Dienste und Solidarleistungen, die sie in Anspruch nehmen, Gegenleistungen zu erbringen.