Neuer Denkort in der Diözese

Bischof Gebhard Fürst enthüllte die neue Gedenktafel. Die weitverzweigten Verbindungen des Mooshausener Pfarrers Josef Weiger (1883 – 1966) zu bekannten Persönlichkeiten, die sich aus christlicher Gesinnung gegen den Nationalsozialismus stellten, darunter Romano Guardini, zeigten beim Festakt der Beauftragte des Gedenkstättenkuratoriums Professor Wolfgang Marcus, die Vorsitzenden des Freundeskreises Mooshausen Professorin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz und Bischof Gebhard Fürst auf.

Der Große Erinnerungsweg Oberschwaben verbindet Orte, an denen Menschen unter der Gewalt des Naziregimes zu leiden hatten, und Orte wie Mooshausen, an denen Menschen sich gegen die Gewaltherrschaft stellten. Ausgehend von Josef Weiger, ab 1917 Pfarrer von Mooshausen, und dem Religionsphilosophen und Theologen Romano Guardini, dem 1939 sein Berliner Lehrstuhl entzogen worden war und der, von der Gestapo observiert, von 1943 bis 1945 im Pfarrhaus von Mooshausen Zuflucht fand, reichen die Verbindungen bis zur Widerstandsbewegung Weiße Rose in München und – über Staatssekretär Erwin Planck, Sohn des Max Planck – zum Hitlerattentat des 20. Juli 1944. Die Vorsitzende des Freundeskreises Mooshausen Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz legte beim Festakt dar, dass Guardinis Schriften gerade Studierende in ihrer Weltsicht beeinflusste. Auch Hans und Sophie Scholl und Willi Graf von der Weißen Rose haben nachweislich seine Bücher gelesen. Gerl-Falkovitz äußerte die Hoffnung, dass weitere Forschungen den Widerstand aus christlichem Geist deutlicher kenntlich machen, als dies bisher der Fall sei. Die Texte Guardinis nicht nur als religiöse Schriften zu lesen, sondern auch als Antworten auf ihre Entstehungszeit, sei eine noch ausstehende Aufgabe.

Bischof Gebhard äußerte in seinem Festvortrag die Überzeugung, die Versuchung zum Bösen beginne mit der Abkehr von Gott. „In der Zeit des Nationalsozialismus war die Gottlosigkeit zur Staatsraison geworden“, sagte der Bischof. Er erinnerte daran, dass Bischof Joannes Baptista Sproll den Mooshausener Pfarrer Josef Weiger damit beauftragt hatte, das Gebet zu schreiben, mit dem er im Oktober 1943 die Diözese Rottenburg-Stuttgart unter den Schutz der Gottesmutter stellte. Bischof Fürst reihte Romano Guardini und Pfarrer Weiger in die Reihe der Glaubenszeugen ein, welchen die Diözese im „Jahr des Glaubens“ besondere Aufmerksamkeit schenkt. „Die Denkorte tragen dazu bei, die Erinnerung an Glaubenszeugen wachzuhalten“, würdigte der Bischof die Initiative Großer Erinnerungsweg Oberschwaben.

Der Beauftragte des Denkstättenkuratoriums Professor Wolfgang Marcus erklärte, der Große Erinnerungsweg Oberschwaben erschlösse den „nahezu weiße Fleck“, den Oberschwaben noch in der von der Landeszentrale für politische Bildung 2012 herausgegebene Broschüre „Gedenkstätten in Baden-Württemberg“ dargestellt hatte. Er zeige „alle Typen von Unrecht des Nationalsozialismus, Außenlager von KZs, Zwangsarbeiterlager, Euthanasievorgänge“, so Marcus. Der Weg ist in fünf den Landkreisen Bodenseekreis, Sigmaringen, Ravensburg, Biberach und Ulm/Alb-Donau zugeordnete Erinnerungswege aufgeteilt. Er ermöglicht nicht zuletzt den Schulen, die Geschichte des Nationalsozialismus an regionalen Beispielen zu vermitteln. Weitere Orte werden in die Erinnerungswege einbezogen, so am 17. April in Weingarten und Bad Buchau.

Das Pfarrhaus Mooshausen pflegt heute der Freundeskreis Mooshausen mit Unterstützung der Diözese Rottenburg-Stuttgart als Tagungsstätte und Erinnerungsort für Pfarrer Josef Weiger, Romano Guardini, die Bildhauerin Maria Elisabeth Stapp, den gebürtigen Mooshausener Pfarrer Josef Bärtle, der von 1934 bis 1945 das Bibelwerk in Stuttgart leitete und Maria Knoepfler, die für ihre Übersetzung von Texten Johan Henry Newmans bekannt ist.. Eine Homepage zum Großen Erinnerungsweg Oberschwaben geht im April online.

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Informationen zum Pfarrhaus Mooshausen
www.mooshausen.de


Großer Erinnerungsweg Oberschwaben
Homepage ab April 2013


Gedenkstätten in Baden-Württemberg, hg. v. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, 2012
http://www.lpb-bw.de/fileadmin/gedenkstaetten/pdf/gedenkguide2012.pdf


Jahr des Glaubens
Oktober 2012 bis November 2013, von Papst Benedikt XVI. ausgerufen, steht in der Diözese Rottenburg-Stuttgart unter dem Thema „Von Glaubenszeugen Glauben lernen“
http://www.drs.de/index.php?id=24216


Neue Denkorte in Weingarten und Bad Buchau
Am 17. April wird Gunter Demnig in Weingarten und Bad Buchau Stolpersteine und Stolperschwellen verlegen.
In Weingarten um 9 Uhr , Wilhelmstr. 30 für den im KZ-Mauthausen ermordeten und mit dem Arbeiterwiderstand verbundenen Joachim Brunner. Um 10 Uhr, Abteistr. 5 für die in Weingarten in den Kriegsjahren umgekommenen Zwangsarbeiter: vor allem aus Osteuropa.
Um 14 Uhr in Bad Buchau an der Stelle des früheren Bahnhofs für die zur Zwangsausreise gezwungenen und für die in die Todeslager deportierten Mitglieder der Jüdischen Gemeinde von Buchau.

 

Cäcilia Branz