Neues Interesse an geistlichen Liedern und Gebeten

In 180 Kirchengemeinden in Deutschland und Österreich wird ein gemeinsamer „Stammteil“ des neuen „Gotteslobs“ erprobt, in je sechs Gemeinden der Erzdiözese Freiburg und der Diözese Rottenburg-Stuttgart stand ein „Eigenteil“ zur Erprobung an. Die beiden südwestdeutschen Bistümer sind die einzigen Diözesen, die ihren gemeinsamen Eigenteil einem solchen Prüfungsprozess unterzogen haben. Die Auswahl dieser Gemeinden repräsentiert ein breites Spektrum unterschiedlicher soziologischer und innergemeindlicher Strukturen.

Auf dem Dreifaltigkeitsberg bei Spaichingen (Kreis Tuttlingen) haben sich am Freitag, 12. September, 26 Vertreter dieser jeweils sechs Erprobungsgemeinden mit zehn Fachleuten aus Theologie und Kirchenmusik - darunter der Rottenburger Weihbischof Johannes Kreidler und der Freiburger Domkapitular Klaus Stadel – getroffen, um sich über die in ausgefüllten Fragebogen dokumentierten Erfahrungen mit dem diözesanen Freiburger und Rottenburger Eigenteil auszutauschen und Konsequenzen für die weitere Erarbeitung zu diskutieren. Dabei gehe es vor allem darum, „Zwischentöne“ in Erfahrung zu bringen, die den standardisierten Fragebögen nicht zu entnehmen seien, betonte Margret Schäfer-Krebs, die zum Rottenburger Kreis der Verantwortlichen gehört.

Bei der exemplarischen Ergebnispräsentation von acht Liedern – das erprobte Liedgut wurde trotz einiger negativer „Ausreißer“ überwiegend zustimmend beurteilt – ging es besonders um Beispiele mit „gemischter Resonanz“. Sei es, dass die Melodien als gut und die Texte als verbesserungswürdig bewertet wurden oder umgekehrt, sei es, dass die Vertonung liturgischer Texte für den Gemeindegesang nicht geeignet sind – das Redaktionsteam des Eigenteils nahm einige Aufgaben mit nach Hause. Dasselbe galt für die ebenfalls exemplarisch präsentierten Gebetstexte und Andachten. Die Aufgabe etwa, für Urnenbestattungen einen geeigneten Ritus zu entwickeln, macht deutlich, dass sich im Lauf der letzten Jahrzehnte gesellschaftliche und pastorale Entwicklungen vollzogen haben, denen ein zeitgemäßes Gebets- und Gesangbuch Rechnung tragen muss. Arbeitsgruppen tauschten sich zum Abschluss der Tagung über allgemeine Erfahrungen aus, über Schwierigkeiten und über „Highlights“ der Erprobungsphase, über organisatorische Mängel oder über „weiße Flecken“, also über Fragen, die bislang überhaupt noch nicht ins Bewusstsein gerückt waren.

Insgesamt, so fasste Margret Schäfer-Krebs die Erfahrungen der Teilnehmer zusammen, habe die Erprobung in den beteiligten Gemeinden einen „richtigen Schub“ bewirkt. Der Prozess sei sehr aufwendig gewesen, werde aber als lohnend betrachtet. Die Gemeinden seien „neugierig“ und offen für die Neuentwicklungen geworden, sogar neue Chöre seien gegründet worden, und da und dort habe sich die Besucherzahl in den Gottesdiensten erhöht. Im Besonderen durch Gestaltungen für Gründonnerstag und Karfreitag habe die Gottesdienstform der Andacht wieder „neue Sympathie und großen Zuspruch“ erfahren, berichtete Schäfer-Krebs.

Wann die aufwendigen Vorbereitungen abgeschlossen sind und das neue „Gotteslob“ erscheinen kann, ist derzeit noch nicht abzusehen. Nicht nur die Eigenteile der einzelnen Diözesen, sondern auch der ungleich umfangreichere gemeinsame „Stammteil“ bedürfen noch umfangreicher Prozesse der Revision und Weiterentwicklung.