„Neues Leben aus der Kraft Gottes“

Es gebe aus dem zu Ende gehenden Jahr Erfreuliches zu berichten - trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise, die weltweit viele Menschen auf Grund von Lüge und Habgier um Hab und Gut gebracht und ihrer Zukunft beraubt habe. Zu den ermutigenden Erfahrungen gehöre jüngst die Aussendung junger Menschen zur diesjährigen Sternsingeraktion. Die Sternsinger seien „die größte Friedensbewegung, die ich kenne“, betonte Bischof Fürst. Aber auch in anderer Hinsicht könne die Diözese Rottenburg-Stuttgart selbstbewusst zurückblicken, sei sie doch wegen eines umsichtigen Finanzmanagements und eines verantwortungsvollen Umgangs mit Kirchensteuermitteln von den unmittelbaren Auswirkungen der Finanzkrise nicht betroffen. Der ausgeglichene Haushalt bedeute, dass „kein einziger Euro der Kirchensteuer in die Schuldentilgung gehen“ müsse, unterstrich der Bischof. Dieser materielle Aspekt, so Bischof Fürst, wirke sich unmittelbar darin aus, dass die rund 45.000 Arbeitsplätze unter dem Dach der schwäbischen Diözese sicher seien. Etwa die Hälfte der Mitarbeitenden sei in kirchlich-karitativen Aufgaben tätig. Das bedeute: „Das diakonische Engagement der Kirche bleibt erhalten.“

Die alarmierenden Ereignisse der jüngsten Zeit seien aber auch „ein dramatischer Kommentar zum Thema Aktualität der Zehn Gebote für die Menschheit“, betonte Bischof Fürst. Es brauche Kontrolle und Aufsicht, aber in erster Linie seien moralisch handelnde Persönlichkeiten notwendig. „Ohne verantwortliches Handeln von Personen ist ein gelingendes Zusammenleben nicht möglich. Nicht nur in Wirtschaft und Finanzen, sondern überall müssen wir Menschen aus persönlicher Verantwortung handeln“, so Bischof Fürst. „In Verantwortung vor Gott und den Menschen“: diese Grundmaxime des Christentums und der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland werde in ihrer lebensrettenden Bedeutung wieder bewusst.

Besorgniserregend für Diözese und für die Kirche insgesamt sei der große Mangel an Priestern, betonte der katholische Oberhirte. Umso mehr gelte es, im Sinne des biblischen Kirchenbildes und des Zweiten Vatikanischen Konzils die Kirche „als ein gelingendes, heilsames Leben in der Gemeinschaft der Glaubenden“ zu verstehen und „die geistliche Dimension des Miteinander-Kirche-Seins wieder neu zu entdecken“. „Das zu ermöglichen wird in den kommenden Jahren unsere gemeinsame Aufgabe sein“, sagte Bischof Fürst. Das Konzil habe aber auch gezeigt, dass die Kirche die Situation der Zeit stärker wahrnehmen und aktiv präsent sein müsse. „Wir können als Kirche in unserer modernen Welt nicht wie ein ‚Kiesel im Bach’, sondern nur wie ein ‚Sauerteig im Teig der Gesellschaft’ leben“, betonte der Bischof. Es sei der Auftrag der Kirche, „für die Menschen heute Hoffnung zu sein und Hoffnung zu stiften“. Dazu müsse die Kirche unterwegs sein als „pilgerndes Gottesvolk“, aber nicht im Sinne einer alles nivellierenden und konturlosen „Gleich-Gültigkeit“. Dieses Unterwegssein in der Zeit müsse in der Feier der Eucharistie seine inspirierende Mitte haben. „In der Eucharistie erfahren wir uns auf unserem Lebens- und Glaubensweg als Menschen, die immer wieder neu von Gott geliebt sind“, sagte Bischof Fürst. Dies, so der Bischof, sei sein Wunsch für das kommende Jahr: „Neues Leben aus der Kraft Gottes.“