„Nicht die geballte Faust, sondern die für den anderen Menschen offene Hand“

„Das Zeichen Christi und der Christen ist nicht die geballte Faust, sondern die offene Hand, die wir dem anderen Menschen reichen“, sagte der Bischof. Über die Jahrhunderte hinweg bis heute sei der im spanischen Santiago de Compostela begrabene Jesus-Jünger Jakobus „Künder und Botschaft des Weges Jesu Christ“, und sein Lebenszeugnis sei für die Kirche und die Gemeinden bis heute ein wirksamer Impuls. Die vielen Kirchen und Wegzeichen des Glaubens, die den oberschwäbischen Jakobsweg säumten und als Dokumente der Frömmigkeitsgeschichte Landschaft und Kultur geprägt hätten, seien Kennzeichen dieses „Weges Jesu Christi, der ein Weg der Liebe ist“, so Bischof Fürst. Auch die Menschen, die heute gemeinsam auf diesen Pilgerwegen gehen, gäben dieser Botschaft leibhaftig Ausdruck und seien selbst „lebendige Christuszeichen für diese Welt“. Dies dürfe sich nicht nur in Worten ausdrücken, sondern müsse auch in Taten erkennbar sein, betonte Bischof Fürst.

Mit dem alljährlichen Pilgern auf dem Jakobusweg in der Diözese Rottenburg-Stuttgart will Bischof Gebhard Fürst nach seinen eigenen Worten auch das Kirchenverständnis des „wandernden Gottesvolkes“ zum Ausdruck bringen, wie es das Zweite Vatikanische Konzil formuliert hat. Das Selbstverständnis seiner Diözese, als pilgernde Kirche auf dem Weg zu sein und die Liebe Jesu Christi in die Welt zu tragen, sei für ihn von entscheidender Bedeutung, betonte der Bischof. Auf den Spuren des Apostels Jakobus wolle die Diözese selbst eine missionarische Kirche in der Gesellschaft von heute sein, sagte Bischof Fürst.

Die diesjährige Etappe des Jakobus-Pilgerweges in der Diözese Rottenburg-Stuttgart legte Bischof Gebhard Fürst am Freitag und Samstag gemeinsam mit rund 200 Gläubigen zurück. Auf dem ersten Wegstück wurde er außerdem von 150 Schülerinnen und Schülern der Grund- und Hauptschule Ingoldingen bei Biberach begleitet, die ihn vor der Steinhausener Kirche mit einem Chorauftritt begrüßt hatten. Von Steinhausen, dem Wallfahrtsort mit der „schönsten Dorfkirche der Welt“, führte der Weg über Bad Waldsee nach Weingarten. Im abschließenden ökumenischen Abendlob in der dem hl. Martin von Tours geweihten Basilika in Weingarten erinnerte der Bischof an das Vorbild des Diözesanpatrons und dessen Vermächtnis. Dieses bestehe darin, „den Verlorenen nachzugehen, die Ausgegrenzten und Behinderten in die Mitte zu holen, den Mut- und Kraftlosen unter die Arme zu greifen und ihnen neue Lebensperspektiven zu eröffnen“ und „diejenigen, die schuldig geworden sind, die erbarmende Liebe Gottes erfahren zu lassen“. Dazu bedürfe es einer lebendigen Beziehung zum Gott Jesu Christi, betonte Bischof Fürst.