Normatives Leitbild für die Kirche

Zugleich stellte er fest: „In unseren Gemeinden proben immer mehr Kinder und Jugendliche den Auszug“. Auch viele Erwachsene mahnten andere Gottesdienstformen an, damit „die Eucharistie die Herzen der Menschen neu erreiche und in ihr das tatsächliche Leben der Menschen aufscheine“. „Gehen wir nicht manchmal merkwürdig unverwandelt und unverändert aus unseren Gottesdiensten?“, fragte Kreidler.

Mit Bezug auf die Liturgie des Gründonnerstag stellte Weihbischof Kreidler einen inneren Zusammenhang zwischen der biblischen Erzählung von Fußwaschung und dem letzten Abendmahl Jesu her. In der Fußwaschung, so Kreidler, sei Jesus „als Symbol seines ganzen Lebens heruntergestiegen auf den Platz eines Sklaven, auf die unterste Stufe“. Die Fußwaschung bedeute, „sich vor der unendlichen Würde des anderen zu verbeugen“. Von Jesus zu lernen, bedeute in diesem Zusammenhang: „Nur wer dient, nimmt die Not der Menschen wahr. Nur wer sich herunterbeugt, kann denen, die am Boden sind, ins Gesicht schauen.“ Mit der Fußwaschung sage Jesus aber auch: „Lass dir etwas Gutes tun und wage zu glauben, dass ich, dein Gott, es gut mit dir meine.“ Damit sei die Botschaft von der Fußwaschung mehr als eine moralische Weisung, sagte Johannes Kreidler. Diesem Beispiel zu folgen, bedeute vielmehr ein „Einschwingen in die Liebe dreifaltigen Gottes“ und „Teilhabe an der göttlichen Energie“.

Darin liege auch die Bedeutung des Abendmahls, des Abschiedsmahls Jesu von seinen Jüngern. Die Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut bedeute: „Das bin ich für euch, ich, der sich euch schenkt, der sich ganz für euch einsetzt.“ Dies sei eine Wandlung, für die nicht „die Wandlungsvollmacht des Priesters, sondern diejenige des Heiligen Geistes“ entscheidend sei. Es gehe um „eine gewaltige Kraft des Lebens“, die „vor nichts, nicht einmal vor dem Tod kapitulieren“ müsse. Diese Wandlung vollziehe sich auch im Inneren des Menschen und im menschlichen Zusammenleben, „oft in vielen kleinen Wandlungsschritten“, die oft auch mit Scheitern verbunden seien. Diese kleinen Schritte könnten aber „zusammen als große österliche Wandlung erfahren und erlebt werden“, sagte der Weihbischof.

Fußwaschung und Eucharistie gehörten zusammen und seien ein „normatives Leitbild für unser Kirche-Sein“, betonte Kreidler. Gottesdienst und Dienst am Nächsten sollten eine untrennbare Einheit bilden.