Offen sein für die befreiende Wahrheit

Dem Glauben an den schöpferischen Geist Gottes stehe heute vielfach die Erfahrung menschlicher Erschöpfung entgegen. Viele lebten „am Anschlag ihrer Kraft, ihrer zur Verfügung stehenden Zeit, ihrer finanziellen und existenziellen Ressourcen“, so Weihbischof Kreidler. Der Enthusiasmus der ersten Jünger, von dem die Bibel berichte, überfordere heute manchen. Es sei auch unvorstellbar, wie eine solche Begeisterung in die persönliche Lebenssituation vieler Menschen oder in die gegenwärtige Kirche einbrechen könne, wo in den letzten Monaten viel an Glaubwürdigkeit und Vertrauen verloren gegangen sei. Es gebe in der Bibel aber auch ein Bild vom Heiligen Geist, der „unserem Seufzen und Aufseufzen Stimme verleiht“, betonte der Weihbischof. Dieser Geist sei nicht nur revolutionär und wecke Begeisterung, sondern setze viel leiser und unscheinbarer an der Not der Menschen an und sei in dieser anwesend. Es sei die große Ermutigung, dass Gottes Geist so stark sei, dass er es mit den Spannungen und Gegensätzen der Welt, der Kirche und des persönlichen Lebens der Menschen aufnehme.

Die Bibel, so Weihbischof Kreidler, spreche aber auch vom Geist der Wahrheit. Das könne tröstlich und schmerzlich zugleich sein. Eine Kirche, die sich im Besitz der vollen Wahrheit fühle, müsse sich in vielerlei Hinsicht sagen lassen, dass nur Gottes Geist in die ganze Wahrheit einführe. Kreidler wörtlich: „Wir brauchen diesen Geist der Wahrheit, der Freiheit schafft. Wo wir vergessen haben, was Jesus uns sagt und wer er für uns ist, da müssen wir uns vom Geist der Wahrheit erinnern lassen. Und wo wir vor dem Weiterführen in die ganze Wahrheit stehen bleiben wollen, da müssen wir geradezu um diesen Geist der Wahrheit bitten.“

Der Heilige Geist sei für ihn die Liebe, die den Menschen von Gott her unaufhörlich entgegen komme, betonte Weihbischof Kreidler. Diese Liebesgeschichte sei nie zu Ende. Um sie zu erfahren, müsse man bereit sein, sich von innen her zu öffnen und „einen Vorschuss von Vertrauen zu investieren“.