Ohne Ostersonntag sind die Regeln des Alltags alles

Ostern schenkt dem Leben einen völlig anderen Rhythmus als den, den uns die scheinbaren Sachzwänge des Alltags aufzwingen wollen", betonte der Bischof. In einer Zeit, in der die Ökonomie die Maßstäbe vorgäben und die Zwei-Sekunden-Sequenzen der Video-Clips die Zeittakte bestimmten, da liefere der Sonntag und vor allem der Ostersonntag ein ganz anderes Maß. "Ohne Sonntag herrscht nur noch Werktag", sagte Bischof Fürst. Diese Erfahrung stehe in einem tieferen Zusammenhang: "Ohne Ostersonntag sind die Regeln des Alltags alles."

Wenn der Lebenssinn aus der Gewissheit der Auferstehung verloren gehe, sagte der Rottenburger Bischof, dann sei die Folge, das sich die Menschen "ängstlich fixieren auf das pure Heute und die alles prägenden Weltgesetze". "Der Verlust des Glaubens an ewiges Leben befreit und erfüllt uns nicht, sondern er bringt ein hektisches Leben ohne Zeit und erzeugt die Angst, heute ja nichts zu versäumen", betonte der Bischof. Ohne die Auferstehungshoffnung wollten die Menschen so viel vom Leben haben, "wie sie an sich reißen können". In einer Welt, in der alle sich bietenden Möglichkeiten ausgeschöpft werden müssen, so Bischof Fürst, werde "die Gnade der Gegenwart" zerstört, gehe die Kraft des Ewigen und die beflügelnde Freude bei der Gestaltung der Zukunft verloren. "Der Osterglaube, das Vertrauen, dass im Tod alles Leben seinen neuen Anfang nimmt", mache die Menschen dagegen "lebensmutig und zukunftsfähig".

Der Ostglaube schenke den Menschen Freiheit, betonte der Bischof. "Wer die Fülle seines Daseins von Gott erhofft, muss nichts auf der Welt vergöttern. Er muss aber auch nichts auf der Welt verachten." Vielmehr könne er es neu und angemessen einordnen und gestalten. Ein österlicher Mensch, so Bischof Fürst, werde frei, die Welt anzunehmen, die Menschen zu lieben und sein Leben österlich zu gestalten. "Der Ostersonntag öffnet neues Leben, jeder Sonntag erinnert uns wieder heilsam daran."