Orden und Auszeichnung für eine Frau und zwei Männer

Rottenburg/Stuttgart. 30. Juni 2017. Bischof Gebhard Fürst hat am Donnerstagabend (29. Juni) in Rottenburg an drei Persönlichkeiten päpstliche Ehrenzeichen und einen Orden überreicht. Geehrt wurden der Unternehmer Gerhard Sturm (82) aus Mulfingen, die Bildungsreferentin Annemarie Engelhardt (76) aus Aalen sowie posthum der passionierte Rom-Pilger und langjährige Leiter eines Alten- und Pflegeheims, Herbert Neutzner (†) aus Rainau-Schwabsberg. Der Bischof hob in seinen Lobansprachen im Rottenburger Bischofshaus das außerordentliche kirchliche und gesellschaftliche Engagement der drei Ausgezeichneten hervor. Engelhardt und Neutzner wurden mit dem Ehrenzeichen „pro ecclesia et pontifice“ ausgezeichnet, Sturm wurde die Würde eines Ritters vom Orden des hl. Papstes Silvester übertragen.

Bis zum heutigen Tag spüre man deutlich die Verbundenheit und Zugewandtheit des Mulfinger Familienunternehmens EBM Papst zur Orts- und Pfarrgemeinde, betonte Bischof Gebhard Fürst in seiner Laudatio für Gerhard Sturm. Ein hohes Maß an Rücksichtnahme gegenüber den Arbeitnehmern zeichnete das unternehmerische Handeln von Firmengründer Sturm von Beginn an aus. Dies zeige sich beispielsweise, wenn es darum gehe, kranke Angehörige zu Hause zu versorgen oder Mitarbeiter unkompliziert als Sänger im Chor oder Sargträger bei einer Beerdigung von der Arbeit freizustellen. Bischof Fürst erinnerte weiter an Sturms finanzielles wie gestalterisches Engagement bei der Gründung der Katholischen Haupt- und Realschule, „Bischof-von-Lipp-Schule“, in Mulfingen. Aufgrund der außerordentlichen Verdienste für die Kirche wie auch für die bürgerlichen Gemeinde – Gerhard Sturm war viele Jahre als Gemeinderat und stellvertretender Bürgermeister tätig – habe er mit großer Freude die Würde eines Ritters des Ordens vom heiligen Papst Silvester für Gerhard Sturm beantragt, sagte Bischof Fürst.
Gerhard Sturm wurde bereits 2008 mit der Dieselmedaille ausgezeichnet, dem ältesten Deutschen Innovationspreis.

Die Sozialpädagogin und Bildungsreferentin Annemarie Engelhardt bezeichnete Bischof Gebhard Fürst als „Botschafterin einer dialogisch-missionarischen Kirche“. Der Rottenburger Bischof würdigte ihre Verdienste für die Rolle der Frau in der Gesellschaft und für die Stärkung der Familien in ihrem Alltag. Die Mutter von sechs Kindern engagierte sich bereits vor der Familienphase als Referentin für Mädchenbildung beim Bund der Katholischen Jugend (BDKJ) in Wernau, später war sie auf politischer Ebene tätig, unter anderem als sozialpolitische Sprecherin im Kreistag des Ostalbkreises und im Bundesvorstand der Frauen Union. Darüber hinaus sei es Engelhardt ein Herzensanliegen gewesen, dass vor allem junge oder aus belasteten Lebenssituationen kommende Familien Erholung und Stärkung erfahren. Mehr als zehn Jahre lang habe sie aus dieser Motivation heraus ihre Erfahrung in die Vorstandsarbeit beim Familienerholungswerk der Diözese eingebracht, betonte Bischof Fürst.
Im Jahr 2010 wurde Engelhardt die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg verliehen.

Als außergewöhnlichen Vermittler von Glaubensinhalten und Glaubenszeugnissen bezeichnete Bischof Gebhard Fürst den aus dem Sudetenland stammenden Herbert Neutzner. Posthum zeichnete er den im September 2015 mit 70 Jahren Verstorbenen mit dem päpstlichen Ehrenzeichen „pro ecclesia et pontifice“ aus. 120 Mal habe Neutzner Pilgerreisen nach Rom begleitet und habe so im Stil der indirekten Katechese unzähligen Gläubigen die Geschichte der Stadt und des Christentums erschlossen, würdigte Bischof Fürst den ausgebildeten Krankenpfleger. In diesem Beruf habe Neutzner viele Jahre im damaligen Alten-Pflegeheim „Waldkrankenhaus“ in Rainau-Dalkingen im Dekanat Ostalb gearbeitet und war lange Zeit dessen Leiter, erinnerte Bischof Fürst. In seiner Tätigkeit habe er sich durch einen liebevollen Umgang mit den Bewohnern ausgezeichnet, der für ihn auf Grund seines Glaubens selbstverständlich gewesen sei. Er habe nicht auf Dienstzeiten geachtet, sondern sei stets für die Menschen in der Einrichtung da gewesen. Die tägliche Feier der Eucharistie in der Hauskapelle sei ihm ein besonderes Anliegen gewesen, betonte Bischof Fürst.
Die Posthum-Auszeichnung für Herbert Neutzner wurde von der Witwe des Geehrten, Gabriele Neutzner, entgegengenommen.