Orientierung in der Wissensflut

Das Kommunikationszeitalter mit neuen Medien und Technologien erfordere ein Umdenken von der Wissens- hin zur Bildungsgesellschaft, sagte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart am Freitag in Stuttgart bei der Jahrestagung des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU). Das Ziel wirklicher Bildung sei nicht die Anhäufung von Detailwissen, „sondern Orientierungskompetenz und die Umsetzung von Wissen in Handeln“. Der christliche Glaube liefere auf dem Weg dahin Maßstäbe, Reibungsflächen und Eckpunkte, an denen sich Persönlichkeiten heranbilden könnten.

Für Christen stelle Bildung ein wesentliches Element für die Lebensgestaltung und kein „schmückendes Beiwerk“ dar, unterstrich Bischof Fürst. Sie dürften sich von niemandem übertreffen lassen, wenn es um soziale Bildung, Nächsten-, Fernsten- und Feindesliebe, um Menschenrechte und Menschenwürde gehe. Der Bischof stellte die Ziele der Wirtschaft denen der Bildung gegenüber: „Letztes Kriterium der Ökonomie ist der Gewinn, das der Bildung ist das gut gelingende Leben im sozialen Umfeld.“
Die von einem immer rascheren technischen und ökonomischen Wandel betroffene Gesellschaft braucht laut Bischof Fürst Menschen, die ihr Handeln über den Tag hinaus an grundlegenden Werten orientieren. Diese Menschen bräuchten verlässliche Orientierungspunkte, „die nicht ständig wieder ausgewechselt oder versetzt werden können“. Solche Grundhaltungen entstehen nach Überzeugung des Bischofs in der Begegnung und im Austausch mit anderen: „Darum hängen Bildung und Bindung nicht nur als Worte eng zusammen.“ Es gehe um das Erlernen zentraler Kompetenzen wie Mitmenschlichkeit, Toleranz, Nächstenliebe und Gerechtigkeit.

Christentum und Kirche seien von ihrem Wesen her auf Vermittlung und Dialog angelegt und „verwalten keine exklusiven Binnenwahrheiten“, so Bischof Fürst bei der Tagung unter dem Motto „Bildung braucht Unternehmergeist“. Dialog erfordere Partner mit persönlich gewonnenen Grundhaltungen: „Gestaltlose Schatten begegnen sich nicht.“ Heute gehe es mehr denn je darum, in diesen Begegnungen mit Respekt und Wohlwollen die Welt auch mit den Augen des anderen sehen zu können. Daran entscheide sich, betonte Bischof Fürst, vielfach der Wert christlich geprägter Bildung: „Steht da ein barmherziger Vater als letzte Wirklichkeit oder eine unbarmherzige, erbarmungslose Welt?“