„Ort einer weltoffenen Katholizität“

Mit dem Stichwort einer „integrativen Propädeutik“ fasste der promovierte Theologe Schneider die Aspekte der Einrichtung und ihres sich über ein Jahr erstreckenden Angebots zusammen. Es war seit seiner Gründung und ist auch künftig eine Stätte der Vorbereitung auf das Theologiestudium und auf einen kirchlichen Dienst, offen für alle, die sich dafür interessieren. Es schafft aber auch die Voraussetzungen für einen individuellen Quereinstieg für Interessenten, die über einen anderen Werdegang zur Ausbildung als katholischer Priester gefunden haben.

Das Ambrosianum, so Schneider, ermögliche den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in einer einjährigen Vorbereitungsphase, sich gemeinsam mit anderen der eigenen Glaubens- und Berufungsgeschichte bewusst zu werden und diese zu reflektieren. Es fördere außerdem die Identitätsfindung mit der Diözese für die angehenden Theologinnen und Theologen, deren Kirchenerfahrung sich oft ausschließlich zwischen den beiden Polen Heimatpfarrei und Faszination durch die Weltkirche bewege. Die Nähe zur Katholisch-Theologischen Fakultät und zum Theologischen Mentorat ermögliche einen gelingenden und unkomplizierten Einstieg ins Studium. Nicht zuletzt, so erläuterte Schneider, ergänzt durch Ausführungen des Neutestamentlers und Privatdozenten Wilfried Eisele, dient das Ambrosianum dem Erlernen der alten Sprachen Latein, Griechisch und Hebräisch für Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die nicht über ein Gymnasium und Abitur mit altsprachlicher Orientierung zum Theologiestudium kommen. Es integriere die Sprachen der Bibel in einen „umfassenden philosophischen, theologischen und kirchlichen Kontext, der ihre Plausibilität für ein gelingendes Theologiestudium offensichtlich“ mache.

Der Rottenburger Domkapitular Uwe Scharfenecker, in der Diözesanleitung für die Ausbildung der Pastoralen Berufe verantwortlich, betonte in seiner Predigt im Eröffnungsgottesdienst, die Inschrift am Kreuz Jesu – auf deutsch: „Jesus von Nazareth, König der Juden“ – sei in den damaligen Weltsprachen Latein, Griechisch und Hebräisch verfasst gewesen. Dies mache bis heute den universalen Anspruch des christlichen Glaubens deutlich, dass Jesus Christus der Retter der ganzen Welt und aller Menschen sei.

Zur Vita des Leiters des in Tübingen neu eröffneten Ambrosianum:

Dr. Gerhard Schneider, Pfarrer,
geboren 1969 in Ulm
1991 Ausbildungsabschluss als Betriebswirt an der Fachhochschule der Deutschen Bundesbank
1991 bis 1995 Berufstätigkeit bei der Deutschen Bundesbank
1995 bis 2000 Studium der Katholischen Theologie in Tübingen und Rom
2002 Priesterweihe, anschließend Seelsorgstätigkeit in Giengen, Burgberg, Sontheim und Hermaringen (Dekanat Heidenheim)
2004 bis 2009 Repetent am Wilhelmsstift Tübingen
2008 Promotion in Katholischer Theologie (Praktische Theologie, Prof. Dr. Ottmar Fuchs)
1. September 2009 Leiter des Ambrosianum