Orte markieren statt Bilderflut auslösen

Auf 14 Medaillons aus Alabaster von 20 Zentimeter Durchmesser ist die Darstellung des Leidens und Sterbens Christi eingefräst. Die roten Zeichnungen erinnern an kalligrafische Darstellungen in japanischer Tradition. „In diesem wunderbar restaurierten Dom sollte keine Bilderflut entstehen, ich wollte Orte markieren und zur spirituellen Erschließung des Raums beitragen“, sagt der 53-jährige Künstler. Am Sonntag um 17.45 Uhr weiht Bischof Gebhard Fürst den Kreuzweg ein.

Nach der 2003 abgeschlossenen Renovierung der Kathedrale musste die Rottenburger Domgemeinde ohne Kreuzweg auskommen. Vor der Erneuerung der Bischofskirche hingen an den Wänden große, dunkle Passionsbilder. Der Kreuzweg von Torkler fügt sich in den nun lichten Kirchenraum ein; fast bündig mit der Wand sind die Medaillons angebracht und auf Augenhöhe mit den Besuchern in den Kirchenbänken. In ihrer abstrakten Gestalt sollen die Motive zu Meditation und Gebet anregen. „In den Darstellungen geht es immer um die Beziehung Jesu mit den Menschen, denen er begegnet“, sagt der Bildhauer. Bewusst entschied er sich für eine tiefe Hängung der runden Scheiben: „Sie sollen den Menschen nahe sein.“

Uwe Renz