Ostern: Bewegung hin zum Leben

Die Liturgie der Osternacht, so der Bischof, verbinde den Glauben an die Schöpfung mit dem Bekenntnis zu einer neuen, erlösten Schöpfung durch die Auferstehung Jesu Christi. Durch den Osterglaube, das sei das Geheimnis dieses Festes, würden auch die Christen in ein neues Leben hineinverwandelt. Der Osterglaube rufe die Christen daher auch dazu auf, für das Leben aufzustehen und zur Schöpfung Ja zu sagen. Dies bedeute, „Verantwortung zu übernehmen für die Hege und Pflege der Schöpfung“ und nachhaltig für die Geschöpfe zu sorgen. „Gott hat erschaffen, und er will, dass Leben ist und nicht Tod, Licht und nicht Dunkel“, unterstrich der Bischof und ermunterte seine Zuhörer: „Wir sind eingeladen, diese Bewegung Gottes hin zum Leben, hin zum Licht aufzunehmen und zu Mittätern der Auferstehung zu werden.“

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Eine Kerze, angezündet am Licht der Osterkerze, stand bei der Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufs von Winnenden und Wendlingen auf dem Altar neben den 15 Kerzen mit den Namen der ermordeten Kinder und Erwachsenen des 11. März. Darauf hat Bischof Gebhard Fürst in seiner Predigt am Ostersonntag im Rottenburger St.-Martins-Dom Bezug genommen. Dieses Symbol, so der Bischof, sei sehr sprechend gewesen, für viele Trauernde ein Trost. In dieser Situation der Ratlosigkeit und des Schmerzes „musste sich zeigen, ob die Kraft unseres Glaubens stark genug ist, um Worte zu finden, um Antworten zu geben gerade da, wo wir mir unserer Fassungslosigkeit ausweglos, ohne Rat und Trost erscheinen“, sagte Bischof Fürst. Die brennende Osterkerze mit dem Christussymbol sei wie „eine starke Säule gewesen“, die anderen Kerzen mit den Namen der Getöteten „Schutz, Halt und Mitte gegeben“ habe. Als „sichtbares Zeichen von der Kraft unserer österlichen Hoffnung“ habe sie die Botschaft verdeutlicht: „Diese Toten leben aus der Kraft des Auferstandenen, der für uns den Tod überwunden hat.“

Der Osterglaube komme zwar vom Hören, betonte Bischof Fürst, er lebe aber noch mehr vom Schauen. Die Bibel erzähle das Ostergeschehen immer wieder in Visionen, als Schau der Begegnung mit dem Auferstandenen. Deshalb seien auch für den Osterglauben heute Symbole von besonderer Bedeutung. „Worauf wir schauen, da hinein werden wir verwandelt“, sagte der Bischof. Wer sich ständig mit Bildern der Gewalt befasse, der laufe Gefahr, selbst immer mehr zerstörerischen Kräften ausgeliefert zu sein. Der Osterglaube und das Sehen auf den Gekreuzigten und Auferstandenen weise in die Gegenrichtung: Er könne die Glaubenden trotz aller Lasten und Verwundungen in hoffnungsvolle, lebensbejahende Menschen verwandeln. Für sie habe nicht die Trostlosigkeit, sondern das Licht eines erlösten Lebens das letzte Wort. „Flügel gegen die Schwerkraft“, dies bedeute der Osterglaube. „Im Sehen auf den Gekreuzigten und Auferstandenen“, so Bischof Fürst, „werden wir selbst zu österlichen Menschen, die aus der Hoffnung leben und Hoffnung weitergeben. Auferstehung Jesu ereignet sich mitten im Leben, auch mitten in unserem Leben.“