Pädagoge mit Kreativität und innovativem Geist wird verabschiedet

Saup wurde am Donnerstag, 28. Juli, in der Kirchlichen Akademie der Lehrerfortbildung im oberschwäbischen Kloster Obermarchtal nach 35-jähriger Tätigkeit als Pädagoge in den Ruhestand verabschiedet. Zu den zahlreichen Gästen gehörten auch die Vorsitzende des Stiftungsrats, die Europa-Abgeordnete Elisabeth Jeggle, und Silvia Carreras, die Vorsitzende der Bischöflichen Schulverwaltung der argentinischen Diözese Santiago del Estero, mit der die katholischen Schulen der schwäbischen Diözese eine Jahrzehnte lange Partnerschaft verbindet.

Die Kombination von Pädagogik, Lehrerfahrung und Theologie, die Saup in seiner Person vereinige, sei ihm in seiner reichhaltigen beruflichen Laufbahn zum Segen geworden, sagte Bischof Fürst. Als Stationen von Saups Laufbahn nannte er die Lehrtätigkeit an der damals im Aufbau befindlichen Bodenseeschule in Friedrichshafen und dann an der St.-Wolfgang-Schule in Reutlingen, die Rektorenstelle an der Rupert-Mayer-Schule in Spaichingen; Im Jahr 1990 dann die Berufung als Schulrat in Rottenburg, die Verantwortung als Schulamtsdirektor und in Personalunion seit 2001 als Stiftungsdirektor. 1996 war ihm zusätzlich die Leitung der Kirchlichen Akademie der Lehrerbildung in Obermarchtal übertragen worden, der er zu einem anerkannten Profil verholfen habe. In den Anfangsjahren seiner Lehrertätigkeit habe Saup berufsbegleitend katholische Theologie studiert, berichtete Bischof Fürst. „Still und heimlich“ habe er später an einer religionspädagogischen Dissertation mit dem Titel „Der Ruf der Freiheit“ gearbeitet, mit der er 1994 in Tübingen zum Doktor der Theologie promoviert wurde. Der Untertitel „Zur Dimension des Ethischen im Marchtaler Plan“ weise darauf hin, dass Saup Mitautor dieses konzeptionellen Grundlagenwerks der katholischen Schulen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart sei. Der „Marchtaler Plan“ sei inzwischen weit über den kirchlichen Schulbereich hinaus zu einer Institution geworden.

Als Nachfolger Bertold Saups im Vorstand der Stiftung Katholische Freie Schule der Diözese Rottenburg-Stuttgart wurden am 28. Juli Harald Häupler (53), bislang Direktor des Albertus-Magnus-Gymnasiums in Stuttgart, und Joachim Schmidt (49), derzeit Stellvertretender Leiter des Katholischen Instituts für berufsorientierte Religionspädagogik an der Universität Tübingen, eingeführt. Sie sind gleichberechtigte Vorstände (Stiftungsdirektoren) der Dachstiftung der rund 90 katholischen Schulen in der Diözese. Als stellvertretender Stiftungsdirektor wurde Walter Swacek in seinem Amt bestätigt.

Als hoch angesehenen Schulleiter und Pädagogen mit reflektierter Erfahrung, analytischer Kraft und wachem schulpolitischem Gespür stellte Bischof Gebhard Fürst Harald Häupler vor. Ihm komme in dem neuen Vorstandstandem die Aufgabe des „Schulfachmanns“ zu. Als promovierter Religionspädagoge bringe Joachim Schmidt die theologische Kompetenz in die Leitung der Stiftung ein. Diese sei für die inhaltliche Weiterentwicklung des katholischen Schulwesens von essentieller Bedeutung. In der Frage einer Bildung und Erziehung aus christlich-katholischer Sicht eigne ihm hohes Problembewusstsein und ein politisch waches Bewusstsein. Zudem bringe er unternehmerische Erfahrung und Leitungskompetenz sowie den Blick auf berufsbezogene Aspekte schulischen Lernens in den neuen Aufgabenbereich ein.

Er freue sich erwartungsvoll darauf, sagte Bischof Fürst, dass die beiden neu berufenen Vorstände es schaffen würden, das professionelle Profil des katholischen Schulwesens zu stärken und dabei nah bei den Menschen von heute zu bleiben. Es komme darauf an, die Ganztagspädagogik glaubwürdig und lebensnah weiter zu entwickeln und die Schule als Lebensraum erfahrbar werden zu lassen. Eine Neudefinition des Leistungsgedankens sei ebenso notwendig wie eine Bestimmung dessen, was eine Lehrkraft heute bedeuten müsse. Als zentrale Aufgabe für die Verwirklichung des christlichen Menschenbilds in der Pädagogik bezeichnete Bischof Fürst es, die Verschiedenheit von Kindern und Jugendlichen praktisch zu akzeptieren und Integration und Inklusion voran zu bringen. Das gelte für Kinder mit Behinderungen, aber auch für junge Menschen aus Migrantenfamilien. Es sei eine Aufgabe kirchlicher Schulen, an einem Umdenken in der Gesellschaft mitzuwirken und Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Verschiedenheit als Chance begriffen werde und Ängste und Vorurteile angebaut würden, so Bischof Fürst.

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Harald Häupler wurde im Januar 1958 in Stuttgart geboren. Nach Schulbesuch und Abitur in Stuttgart studierte er von 1978 bis 1984 an der Universität Heidelberg Mathematik. Das gleichzeitige Musikstudium an der Hochschule für Musik Heidelberg-Mannheim (Schulmusik und Diplommusik mit dem Schwerpunkt Komposition) war flankiert von der Leitung eines Jugendchors in Stuttgart-Heumaden sowie dem Aufbau und der Leitung eines Kirchenchors in Ostfildern-Scharnhausen . Von 1985 bis 1993 sollte dann die Leitung eines Kirchenchors in Stuttgart-Heumaden folgen.

In Stuttgart-Degerloch und Ostfildern-Nellingen absolvierte Häupler von 1984 bis 1986 sein Referendariat, seit 1986 ist er Lehrer am Albertus-Magnus-Gymnasium in Stuttgart, das zu dieser Zeit noch im Aufbau war und 1992 zum ersten Mal einen Jahrgang zum Abitur führte. Dem „AMG“ blieb Harald Häupler treu. Von 1996 bis 2001 war er dort Fachabteilungsleiter, von 2001 bis 2003 stellvertretender Schulleiter und schließlich seit 2003 Schulleiter des katholischen Gymnasiums. Im Jahr 2006 wurde er von Bischof Fürst zum Vorstand der Albertus Magnus-Schulstiftung Stuttgart berufen.

In dieser Zeit nahm er zusätzlich aber auch Weiterbildungsstudien und schulbezogene wie überschulische ehrenamtliche Aufgaben auf sich. So ließ er sich berufsbegleitend am Stuttgarter Landesinstitut für Erziehung und Unterricht zum Informatiklehrer ausbilden , erwarb die Missio Canonica, die Lehrerlaubnis für den Katholischen Religionsunterricht an Gymnasien, belegte ein berufsbegleitendes Grundstudium in Philosophie, Neuerer Deutscher Literaturwissenschaft und Geschichte an der Fernuniversität Hagen und nahm schließlich an einem Qualifikationskurs für Führungskräfte an der Kirchlichen Akademie der Lehrerfortbildung Obermarchtal teil.

Auch in Fragen der Schul- und Lehrplanentwicklung engagierte sich Häupler. 1995 wurde er in die Lehrplankommission „Marchtaler Plan“ berufen, der er bis zu deren Auflösung im Jahr 2010 als ständiges Mitglied angehörte. Seit 2004 ist er Sprecher der Gymnasialschulleitungen im Bereich der Stiftungsschulen und seit demselben Jahr auch Mitglied der AG Schulentwicklung. Darüber hinaus war er Mitglied der Kommission zur Revision der Dienstordnungsanstellung (DO) für Lehrkräfte an Katholischen Freien Schulen der Diözese sowie der AG Leitfaden für örtliche Schulstiftungen.

Harald Häupler ist verheiratet.

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Dr. Joachim Schmidt wurde im Januar 1962 in Stuttgart mit dem Familiennahmen Hänle geboren. Nach Schulzeit und Abitur in Stuttgart absolvierte er zunächst von 1981 bis 1982 ein Studium der biblischen Sprachen Latein, Griechisch und Hebräisch am Collegium Ambrosianum in Stuttgart-Bad Cannstatt. Von 1982 bis 1987 studierte er in Tübingen und Rom Katholische Theologie. Einige Jahre der seelsorgerischen Tätigkeit und des wissenschaftlichen Weiterstudiums schloss 1995 in Tübingen mit einer Promotion im Fach Religionspädagogik mit dem Höchstprädikat „summa cum laude“ ab. Es folgten drei weitere Jahre als Hochschulassistent am Lehrstuhl für Religionspädagogik, Kerygmatik und kirchliche Erwachsenenbildung an der Tübinger Katholisch-Theologischen Fakultät.

Im Rahmen einer beruflichen Neuorientierung war Schmidt 1998/1999 zunächst Dozent, Trainer und Sozialpädagoge in einem privaten Bildungszentrum, bevor er sich von 1999 bis 2004 als Gesellschafter und Geschäftsführer einer eigenen Unternehmens- und Personalberatung selbständig machte. In dieser Zeit absolvierte er auch berufsbegleitend ein Master-Fernstudium an der Technischen Universität Kaiserslautern zur Personalentwicklung in lernenden Unternehmen, das er mit der Note„sehr gut“ abschloss. Die Arbeit in der freien Wirtschaft blieb für ihn auch begleitend zu seinen weiteren beruflichen Entwicklungen wichtig, ebenso Weiterbildungen und Zusatzausbildungen in zahlreichen Feldern der Psychologie und Pastoralpsychologie, der Pädagogik und Sozialpädagogik, der Organisationspsychologie und –entwicklung u. a. m.

Seit Juli 2004 ist Joachim Schmidt stellvertretender Leiter des Katholischen Instituts für berufsorientierte Religionspädagogik (KIBOR) an der Universität Tübingen und im Rahmen dieser Tätigkeit Religionslehrer an einer gewerblichen Berufsschule in Esslingen. Projekte und Veröffentlichungen in diesem Arbeitsbereich befassen sich zum Beispiel mit Qualitätsentwicklung beim Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen, mit religiöser sowie interreligiöser Kompetenz in der beruflichen Bildung oder mit ethischem Handeln in der Pflege. Deutschlandweit ist er als Referent, Organisator von Kongressen sowie als Mitarbeiter einer Initiativgruppe zur Begleitung und Entwicklung eines „Deutschen Qualifikationsrahmens“ engagiert. Seit 2010 ist er zusätzlich Dozent für Religionspädagogik an der Universität Hohenheim.

Joachim Schmidt ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen.

 

Dr. Thomas Broch