Palliativ Care: überzeugende Alternative zur aktiven Sterbehilfe

Dies hat die Ordinariatsrätin und Leiterin der Hauptabteilung Caritas der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Irme Stetter-Karp, am Samstag bei einem Festakt der Sozialstation in Ellwangen anlässlich ihres Umzugs in die Räume der bisherigen St. Anna-Klinik betont. Die Forderungen nach einer Legalisierung aktiver Sterbehilfe würden immer wieder artikuliert, sagte Stetter-Karp. Die Schweizer Sterbehilfe-Organisation „Dignitas“ suche diese Woche sogar in Deutschland „Sterbewillige“, um durch einen Präzedenzfall eine erneute gerichtliche Klärung der straffreien Freitodbegleitung zu erzwingen. „Für Christen“, so die Caritas-Expertin, „sind in solchen Zeiten überzeugende, tatkräftige Alternativen das Entscheidende, was zu tun ist.“

Das Konzept der so genannten „Palliativ Care“ sieht vor, dass durch besonders qualifizierte Teams Schwerkranke, die nicht mehr kurativ behandelt werden können, in ihrem Lebensumfeld eine ganzheitliche Pflege und Begleitung erfahren. Medizinische und pflegerische Betreuung gehören ebenso dazu wie seelsorgerliche Begleitung. Stetter-Karp forderte: „Wer auch immer wo auch immer stirbt, hat Anspruch auf qualifizierte Betreuung im Sinn von Palliativ Care.“ Da seit März 2007 mindestens die notwendigen gesetzlichen Voraussetzungen dafür geschaffen seien, dass Menschen bis zuletzt gut versorgt zu Hause leben und sterben können, eröffneten sich für die Sozialstationen ganz neue Herausforderungen und Chancen, betonte die Ordinariatsrätin.

Irme Stetter-Karp erinnerte daran, dass dieses Konzept ganzheitlicher Pflege seine geschichtlichen Wurzeln in dem alten Begriff des „Mitleidens“ im Ethos der christlichen Pflege habe. Dies schließe das aufmerksame Hinsehen und das qualifizierte Handeln ein. Es klinge zwar „wenig politisch, wenig gesellschaftsbezogen und gesellschaftsverändernd“, sei aber „Merkmal und Kennzeichen des Handelns und der caritativen Praxis Jesu“, sagte Stetter-Karp. Die 25-jährige Geschichte der katholischen Sozialstationen mache deutlich, dass es überall und zu allen Zeiten „Gegenbewegungen zur Entsolidarisierung gibt, Menschen, die sich auf die elementaren Gebote der Humanität besinnen“. Die Spannung zwischen dem ökonomischen Druck und dem christlichen Ethos sei bei den Trägern deutlich gewachsen. Zukünftig brauche es neben einer hohen Veränderungsbereitschaft in den caritativen Organisationen auch eine Verhandlungskultur mit den Kostenträgern, in der die konkreten Bedürfnisse der Pflegebedürftigen, der Gegenstand der Pflege, stärker als bisher erkennbar werden, sagte Stetter-Karp.