Papstorden für vier Männer

Rottenburg/Stuttgart. 24. April 2015. Bischof Gebhard Fürst hat am Freitagabend in Stuttgart vier Persönlichkeiten päpstliche Orden überreicht. Geehrt wurden der frühere Spitzenmanager Michael Ungethüm (71), der emeritierte Geschichtsprofessor Franz Quarthal (71), der Textil-Unternehmer Werner Schmid-Lorch (76) und der ehemalige Stuttgarter Erste Bürgermeister Rolf Thieringer (87). Der Bischof hob in seinen Lobansprachen das außerordentliche kirchliche und gesellschaftliche Engagement der vier Männer hervor. Ungethüm wurde die Würde eines Ritters vom Orden des hl. Gregorius übertragen; Quarthal, Schmid-Lorch und Thieringer dürfen sich Ritter vom Orden des hl. Silvester nennen.

Der evangelische Christ Ungethüm habe als ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Tuttlinger Medizintechnik-Unternehmens Aesculap AG sein Handeln dezidiert aus der katholischen Soziallehre abgeleitet, betonte Bischof Fürst. Dies habe er im Unternehmen sowie in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur bewiesen. Sein Anliegen sei, wirtschaftliches Handeln „im Kontext des gesamten menschlichen Lebens zu begreifen“. So habe Ungethüm Initiativen der Erzabtei Beuron ebenso unterstützt wie diakonische Projekte des katholischen Dekanats und der Kirchengemeinde in Tuttlingen. Er ist unter anderem Träger der Wirtschafts- und der Verdienstmedaille von Baden-Württemberg, des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse sowie Ehrensenator der Universitäten Ulm und Freiburg.

Den Historiker Quarthal würdigte Bischof Fürst als Wissenschaftler, der Kirchen- und Profangeschichte eng miteinander verwoben und „im wahrsten Sinn Kirchengeschichte geschrieben hat“. Als Professor, zunächst an der Universität Tübingen und von 1990 bis 2012 in Stuttgart, habe der in Gotha geborene Quarthal besonders die Geschichte Südwestdeutschlands und die Geschichte Vorderösterreichs erforscht. Der national wie international ausgezeichnete Wissenschaftler machte sich Bischof Fürst zufolge besonders auch verdient um die frühe christliche Geschichte der Bischofsstadt Rottenburg. Quarthal habe hier als Experte wertvolle Dienste geleistet, so zu Fragen der Entstehung der Bischofsstadt im Umfeld des alemannisch-fränkischen Herrenhofes Sülchen, in dem der hl. Meinrad, Gründer des Klosters Einsiedeln, geboren worden sei. Quarthal, ursprünglich evangelisch, konvertierte jüngst zur katholischen Kirche und wohnt in Rottenburg.

Der Ebinger Textilunternehmer Schmid-Lorch habe sich um das Wohl der Beuroner Benediktiner-Erzabtei und kirchlich-sozialer Projekte in Albstadt verdient gemacht, betonte Bischof Fürst. Als nach wie vor in der Führung mitverantwortlich im heutigen Großhandelsunternehmen Ernst Lorch KG engagiere er sich seit 20 Jahren bis heute im Vorstand der Freunde der Erzabtei St. Martin zu Beuron e. V. Der Verein unterstützt in freundschaftlicher Verbundenheit die Erhaltung des Klosters. Darüber hinaus setze sich Schmid-Lorch ein für zahlreiche kirchliche und soziale Projekte in Albstadt, hob der Bischof hervor. Als Beispiele nannte er die Organisation von Ausfahrten mit Schülern von Sonder- und Förderschulen sowie den Einsatz im Unternehmen um Ausbildung und Förderung junger Menschen. Schmid-Lorch, der auch in seiner Kirchengemeinde in Ebingen-Margrethausen sowie in zahlreichen Vereinen aktiv ist, wurde bereits mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik sowie der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Als bis ins hohe Alter in Kirche und Gesellschaft engagierten Katholiken würdigte Bischof Fürst den früheren Ersten Bürgermeister Stuttgarts, Thieringer. 1963 wurde der promovierte Historiker Persönlicher Referent des damaligen Oberbürgermeisters Arnulf Klett, 1979 Erster Bürgermeister bis zur Pensionierung 1992. Im Ruhestand blieb Thieringer aktiv, wie der Bischof hervorhob, und führte ab 1993 die katholische Stiftung Marienheim in Stuttgart, Wohnheim für alleinstehende junge Frauen, ehemals getragen von den Franziskanerinnen von Reute. Sie konnten es 1987 nicht mehr halten. Thieringer kümmerte sich als Vorsitzender des Stiftungsvorstandes um Umbau und Weiterführung des Heims. Zudem engagierte sich Thieringer in der Stiftung Geißstraße, 1994 gegründet nach einem Brandanschlag auf das Stuttgarter Haus Geißstraße 7 mit sieben getöteten ausländischen Bewohnern. Thieringer gehörte von 1970 bis 1986 dem Rottenburger Diözesanrat an. Er ist Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes, der Otto-Hirsch-Medaille für Verdienste um christlich-jüdische Verständigung sowie der Martinusmedaille in Silber seiner Diözese.

Uwe Renz