Pastoraler Pioniergeist gefordert

Fliethmann habe mit den Themen seiner Dissertation und seiner Habilitationsschrift, „Vernünftig glauben“ und „Struktur der Gotteslehre“ eine wesentliche Positionsbestimmung des Bildungsauftrags des Instituts thematisiert. Es gehe um die argumentative Erschließung der Gründe des christlichen Glaubens, und zwar dialogbereit und auf Augenhöhe mit den Menschen unserer Zeit. Wichtig seien deutliche Grundhaltung und erkennbares Profil, aber auch die Fähigkeit, „hörbereit auf die Fragen und Nöte, Sorgen und Wünsche der Menschen“ zu sein.

Bischof Fürst betonte, die Kirche befinde sich in einer Übergangszeit, in der die lebendige Tradition sich auf eine Zukunftsgestalt hin „reformuliere“, die noch keine festen Formen habe. Trotz immer leerer werdenden Kirchen und schrumpfender Gemeinden gebe es „Zeichen des Frühlings und der Neuaufbrüche“. In dieser Zeit brauche es Pioniere, die neue Wege in der Pastoral suchten und die offenen Augen und Ohren und mit weitem Herzen „diese neuen, zarten und manches Mal fremden Spuren von Glauben und Religion wahrnehmen“. Die Veränderungen der gegenwärtigen Zeit, das gab der Bischof dem neuen Institutsdirektor mit auf den Weg, forderten gerade auch in der Fort- und Weiterbildung der hauptberuflich und ehrenamtlich in der Pastoral der Diözese Tätigen stets auch eine Weiterentwicklung der Aufgaben und Angebote. Von besonderer Bedeutung werde künftig die Qualifizierung zu einer kooperativen Pastoral sein, die er für Leitungsverantwortliche in den Seelsorgeeinheiten verbindlich machen wolle, betonte Bischof Fürst. Mit Thomas Fliethmann bekomme das Institut einen neuen Direktor von profunder und breiter theologischer Bildung, von weltoffener Kirchlichkeit und von spürbarer Spiritualität. Er habe sich mit Fliethmann für eine Persönlichkeit entschieden, der ein klares inhaltliches Profil mit der Fähigkeit zu deutlicher Führung verbinde. Beides sei notwendig, so der Bischof, um nach innen wie nach außen nicht konturlos und beliebig zu werden, sondern einem Bildungsauftrag auf dem Boden des christlichen Menschenbildes gerecht zu werden. Mit den Worten des Zweiten Vatikanischen Konzils bedeute dies, „die Anforderungen der Zeit gebührend aufzuschließen“ und zugleich „einen Lebensraum zu schaffen, in dem der Geist der Freiheit und der Liebe des Evangeliums lebendig“ sei, sagte Bischof Fürst.

Als einen „Faktor in der Ausgestaltung der pastoralen Arbeit in der Diözese“ bezeichnete der neue Direktor das Institut. Es verkörpere in seiner über 30-jährigen Geschichte einen Prozess permanenter konzeptioneller Weiterentwicklung. Die „Option Bildung“, der sich das Institut verschrieben habe, müsse auch durch die kirchlichen Mitarbeiter eingelöst werden. Er halte es für eine Pflicht der Kirche und ihrer Mitarbeitenden, sich „zur Erfüllung ihres Daseinszwecks, nämlich der Verkündigung des Evangeliums, aller Hilfsmittel zu bedienen, deren sie habhaft werden können“, betonte Thomas Fliethmann. Die Bearbeitung der gegenwärtigen Krisensituation der Kirche werde deren Gesicht nachhaltig verändern. Auch die Arbeit des Instituts für Fort- und Weiterbildung werde in den kommenden Jahren durch diesen Wandel nachhaltig geprägt sein. Dies gehe er jedoch zuversichtlich, ja „gläubig“ an.

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Thomas Fliethmann wurde im April 1962 in Beckum/Westfalen geboren, wo er 1981 das Abitur ablegte. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Nach dem Grundwehrdienst studierte er in Tübingen und Wien katholische Theologie, Philosophie und Kunstgeschichte und schloss das Studium 1988 mit dem theologischen Diplom ab. 1996 wurde der damalige Wissenschaftliche Mitarbeiter des Tübinger Dogmatikprofessors Peter Hünermann mit einer Dissertation zu dem Thema „Vernünftig glauben. Zur Begründung der Theologie bei Georg Hermes (1775-1831)“ mit der Höchstnote summa cum laude zum Doktor der Theologie promoviert. Nach weiterer wissenschaftlicher Tätigkeit in Tübingen und in den USA folgte 2004 die Habilitation, mit der die Lehrbefugnis im Fach Dogmatik verbunden war. Die Habilitationsschrift befasste sich mit der „Struktur der Gotteslehre des Thomas von Aquin“ nach dessen Hauptwerk, der „Summa Theologiae“. Als Wissenschaftlicher Mitarbeiter wirkte der Privatdozent Fliethmann von 2006 bis 2008 gemeinsam mit dem Philosophen Johannes Brachtendorf am Tübinger Augustinuszentrum an der Übersetzung und Kommentierung des Werks „De Trinitate“ des antiken Kirchenlehrers Augustinus mit. An der Philosophischen Fakultät der Universität Köln vertrat er 2008 den Lehrstuhl für Systematische Theologie, im Wintersemester 2009/2010 nahm er eine Gastprofessur am Lehrstuhl für Philosophische Grundfragen der Theologie der Katholischen Universität Eichstätt wahr. Im Januar 2010 wurde er zum außerplanmäßigen Professor an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Tübingen ernannt.

Neben einer umfangreichen Literaturliste in deutscher und englischer Sprache kann Thomas Fliethmann seit seiner Promotion auf ein breit gefächertes Programm von Lehrveranstaltungen verweisen, die er an den Universitäten Tübingen, Stuttgart-Hohenheim, Köln und Eichstätt gehalten hat. Andererseits hat er in seinem Schaffen stets die Brücke zwischen Wissenschaft, pastoraler Praxis und Fortbildung sowie zur Organisationsentwicklung geschlagen. Durch die Teilnahme an Kursen für Hochschuldidaktik hat er sich für eine zielgruppengerechte Wissensvermittlung qualifiziert. Seit über 20 Jahren ist er in der Weiterbildung von Haupt- und Ehrenamtlichen im Rahmen der katholischen Erwachsenenbildung tätig. Aus seiner ebenfalls langjährigen ehrenamtlichen Mitarbeit in der Tübinger St. Paulus-Gemeinde wird ihm Kooperationsfähigkeit und Kompetenz als Moderator sowie eine ausgeprägte Nähe zu den Belangen der Gemeindepastoral attestiert.