Patriarch blickt optimistisch in Ägyptens Zukunft

Der Patriarch wies darauf hin, dass in Ägypten nach wie vor Vorurteile gegen Christen bestünden; sie würden teils der Kollaboration mit dem Westen verdächtigt oder von islamistischen Fundamentalisten als Ungläubige bezeichnet. Allerdings, so Sedrak, sei ein Mentalitätswechsel spürbar. „Muslimische und christliche Nachbarn schützen sich gegenseitig. Die Bürger haben keine Angst mehr, weder vor der Polizei, dem Militär oder der Muslimbruderschaft.“ Die Mehrheit der Ägypter lehne mittlerweile einen politisch aufgeladenen Islam ab.

Die Kirche sieht der Patriarch vor großen Herausforderungen. Etwa 130.000 Christen hätten in den vergangenen Monaten ihre Heimat verlassen. Das größte Problem sei dabei die Migration innerhalb des Landes an die Ränder der großen Städte. „Hier gibt es keine Infrastruktur, hier ist Kirche derzeit nicht präsent“. Sedrak sieht die Zukunft Ägyptens in der Bildung und Ausbildung möglichst aller Ägypter. In einem Land mit rund 40 Prozent Analphabeten müsse die Kirche eine Mittlerrolle übernehmen, unter anderem mit Bildungsangeboten für Menschen aller Regionen und Konfessionen. Eine wichtige Rolle wies der Patriarch der Zusammenarbeit mit der koptisch-orthodoxen Kirche zu. Das Verhältnis zu ihr sei in den vergangenen Monaten spürbar intensiver geworden. „Es wäre kein gutes Signal an die Muslime, wenn die Kirchen widersprüchlich über Jesus reden.“

Nach dem Sturz Hosni Mubaraks 2011 wuchs in Ägypten die Hoffnung auf Demokratie und Freiheit. Nach der ersten demokratischen Wahl wurde sie bitter enttäuscht. Der neue Präsident Mursi trieb die Islamisierung voran. Das Christentum hat am Nil lange Tradition, die mit dem Evangelisten Markus zurückreicht bis ins erste Jahrhundert nach Christus. Heute bildet es eine, wenn auch bedeutende, Minderheit: Jeder zehnte der rund 90 Millionen Ägypter bekennt sich zum Christentum, den größten Teil machen dabei die orthodoxen Kopten aus. Rund 165.000 Ägypter gehören der mit Rom unierten koptisch-katholischen Kirche an, 50.000 sind römisch-katholisch. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart unterstützt die koptisch-katholische Kirche seit über 40 Jahren. Hilfsprojekte wurden mit sieben Millionen Euro gefördert.