Persönliche Probleme nicht für Pauschalkritik instrumentalisieren

Es steht diesem frei, seine eigene Sicht und Bewertung der Dinge öffentlich darzustellen. Mehr als verwunderlich ist es, dass eine Zeitung diese Darstellungen und vor allem die zum Teil bis in persönliche Diffamierungen hinein reichenden Bewertungen ohne Überprüfung der Zusammenhänge übernimmt und durch eigene Formulierungen noch unterstreicht, wie etwa die Zuschreibung „gnadenlos“ im Titel oder die unkommentierten und in ihrem Wahrheitsgehalt ungeprüften Auszüge aus der Website der „Kritischen DienstnehmerInnen in Kirchen“ (KriDiK) unter der Überschrift „Mitarbeiterfeindliche Kirchenleitung“ zeigen.

Eine den tatsächlichen Sachverhalten angemessene Reaktion der Diözese steht deshalb unter nachteiligen Voraussetzungen, weil diese sich ihrerseits an ihre Schweigepflicht gebunden sieht, was die persönlichen Hintergründe arbeitsrechtlicher und diszplinarischer Auseinandersetzungen mit – auch ehemaligen – Mitarbeitenden anbelangt. Die Diözese weist es allerdings zurück, dass eine zweifellos gegebene persönliche Problemsituation als Begründung für eine pauschale Diskreditierung des Umgangs der Diözesanleitung mit der Mitarbeiterschaft instrumentalisiert wird.

Daher sei zu dem Beitrag Folgendes angemerkt:

Herr S. K. wurde nicht wegen seiner kritischen Positionen als Sprecher der „Diözesanen Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertetungen“ (DIAG-MAV) entlassen, sondern wegen eines manifesten Verstoßes gegen das kirchliche Arbeitsrecht und die Grundordnung der Deutschen Bischöfe für den kirchlichen Dienst. Eine Vermengung dieser beiden Aspekte zu einem gemeinsamen Begründungszusammenhang ist eine inakzeptable Unterstellung.

Was das Verhältnis der Diözesanleitung zu den Vertretern der so genannten Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer anbelangt, so sieht der „Dritte Weg“ des kirchlichen Arbeitsrechts für die entsprechenden Gremien prinzipiell eine gleichrangige paritätische Besetzung und im Konsens erzielte Ergebnisse vor. Allein dies spricht gegen eine autoritäre Übervorteilung der Dienstnehmerseite durch die Dienstgeberseite, wie dies der genannte Beitrag durchgängig insinuiert. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart wird auch seitens der Mitarbeiterverterinnen und –vertreter ein grundsätzlich gutes und konstruktives Miteinander bestätigt. Das schließt Konflikte in der Sache im Einzelfall nicht aus, was auf Grund der unterschiedlichen Interessenlage auch selbstverständlich ist.

Dr. Thomas Broch