Perspektiven für eine friedvolle Zukunft

Die Idee zu diesem Friedensdorf wurde bei einem Besuch von Bischof Paride in Neve Shalom/Wahat al-Salam (Oase des Friedens) geboren, einem Dorf zwischen Tel Aviv und Jerusalem, in dem jüdische und arabische israelische Staatsangehörige in friedlicher Nachbarschaft zusammenleben. Lokale Konflikte um Land und Vieh oder wegen der ungerechten Verteilung staatlicher Mittel stellen auch im Süden des Sudan ein Problem dar. Im Friedensdorf am Kuron leben heute Menschen aus den verschiedensten Stämmen und religiösen Gruppen im Frieden miteinander. Die schwäbische Diözese hat dort eine mobile Autowerkstatt und die berufliche Ausbildung von Dorfmitgliedern finanziert.

Hier wie überall sei die Ausbildung der Bevölkerung eine große Herausforderung, berichten Bischof Taban und sein Begleiter Udo Mechlinski, ehemaliger Leiter der weltkirchlichen Abteilung im Bistum Mainz. 90 Prozent der Sudanesen könnten weder lesen noch schreiben, insbesondere die Frauen seien vom Analphabetismus betroffen. Da die Mädchen häufig auf die kleineren Geschwister auspassen müssten, kämen sie nicht zur Schule. In der Internatsschule im Friedensdorf habe man daher zu einem Trick gegriffen: Man biete Kleinkinderbetreuung an und ebenso Verpflegung für alle Kinder. So besuchten jetzt schon 50 Mädchen die Schule – ein großer Erfolg für sudanesische Verhältnisse, betont der Bischof.

Nicht alles läuft problemlos in dem jungen Staat. Zwar sei das Referendum über die Unabhängigkeit einigermaßen friedlich verlaufen, nicht zuletzt dank der Rolle der Kirche. Aber jetzt sei es schwierig, qualifiziertes Personal für Politik und Verwaltung zu finden. In die Positionen drängten sich Funktionäre der Sudan People’s Liberation Army ohne Verwaltungserfahrung, aber mit der eingeübten Praxis, Macht mit Waffen durchzusetzen. Neben der Förderung von Schulen und Universitäten sei es erheblich wirkungsvoller, qualifizierte Ausbilder ins Land zu holen anstatt einigen wenigen Sudanesen Stipendien für ein Studium im Ausland zu geben. Der „Multi Doner Trust Funds“, den die 14 Geberländer und die Weltbank installiert hätten, um die Mittel der Hilfsorganisationen zu bündeln, verhindere, dass die Gelder bei den Menschen ankommen und fördere de facto die Korruption. Dabei stelle alleine schon die Versorgung der etwa acht Millionen Einwohner und der Millionen Rückkehrer aus dem Exil eine enorme Herausforderung dar. Es gelte, das Land von Nahrungsmittelimporten unabhängig zu machen, so Bischof Paride Taban. Er sehe dafür gute Chancen, denn die Region um den Weißen Nil sei äußerst fruchtbar und die Kornkammer des Sudans.

Überhaupt ist Bischof Taban zuversichtlich hinsichtlich der künftigen Entwicklung der neuen Republik Südsudan. „Ab dem 9. Juli wird alles besser“, sagt er. „Wenn die Leute erst einmal den neuen Landesnamen ‚Südsudan’ lesen, wird das Vertrauen in das Land wachsen.“ Die wirtschaftlichen Grundlagen könnten durch die reichhaltigen Bodenschätze im Süden gesichert sein, auch ohne dass die künftige Verfügung über die enormen Erdöllagerstätten in der Grenzregion Abyei bereits geklärt sind. Noch besser wäre es nach seiner Meinung, die Kirche könnte ihre Hilfen unabhängig von der Regierung leisten. Sie verfüge über die erforderliche Infrastruktur und habe sich immer schon auch im isolierten Zentrum des Südsudan engagiert. Anders als die künftig getrennten Staaten des Nord- und des Südsudan wolle die sudanesische Bischofskonferenz ihre Gemeinsamkeit beibehalten – mit je einem Sekretariat in Khartum und Juba, den Hauptstädten des Nordens und des Südens.

Gerne verweist Bischof Paride Taban auch auf einen schönen persönlichen Erfolg als Seelsorger. Mit Unterstützung des ugandischen Staatspräsidenten Musenevi war es ihm gelungen, in den 1990-er Jahren mit ehemaligen südsudanesischen Kindersoldaten an der Rückführung in ein gewaltfreies Leben zu arbeiten. Mit 67 Jungen habe er angefangen, berichtet er. Sie alle seien heute als Erzieher, Verwalter oder Entwicklungshelfer in den Nuba-Bergen erfolgreich und verantwortungsvoll tätig.

Vielleicht muss man eine Persönlichkeit wie Paride Taban sein, um mit so viel Kreativität Menschen helfen zu können. Er selbst, so erzählt er, habe als Priester und später als Bischof in den Zeiten des Bürgerkriegs nur überleben können, weil er nicht nur „Seelsorger gekonnt“ habe, sondern auch Bauer, Automechaniker, Maschinist gewesen sei. Tagsüber habe er sich mit Theologie und Seelsorge befasst und abends Autos repariert; er habe Uhren wieder zum Laufen gebracht, sei mit dem Pflug aufs Feld hinausgegangen oder habe Gemüse angepflanzt.