Petrus und Paulus: Kirche der Tradition und Kirche der Freiheit gehören zusammen

Auf verschiedene Weise hätten die beiden Apostel der einen Kirche gedient. Petrus stehe für Amt und Autorität, Paulus für Individualität und Freiheit. „Der eine trägt die Schlüssel, die bewahren und behüten, der andere trägt das Schwert, das der Botschaft Christi in Welt und Zeit hinein neue Breschen schlägt und mutig neue Wege bahnt“, betonte Prälat Bour.

Die theologische Kontroverse zwischen Petrus und Paulus über die Frage, ob Heiden, die sich zu Christus bekehren und taufen lassen, zuvor Juden werden müssten, habe die Gläubigen damals vor die Frage gestellt, ob die junge Kirche in eine „Kirche der Konservativen unter Petrus“ und eine „Kirche der Progressiven unter Paulus“ auseinanderfallen werde. Die erste Begegnung der beiden Apostel, von der die Bibel berichtet, sei für die Kirche „eine wahre Sternstunde“ gewesen: „die Stunde der Einheit in der Vielfalt, der Offenheit in Zucht und Maß, der Freiheit, hineingebunden in das Gesetz Christi“, sagte Bour. Spätere Begegnungen seien konfliktreich gewesen. Doch die letzte Begegnung zwischen Petrus und Paulus habe in Rom stattgefunden, wo beide für ihren Glauben hingerichtet worden seien. Rom, so schlug Hubert Bour die Brücke zur Gegenwart der Kirche, sei „die Stadt des Apostels, dem der Herr gesagt hat: Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen“. Rom sei aber auch die Stadt, „in der die Weite und Geistigkeit des Paulus nicht verraten werden darf“. Beide, Petrus und Paulus, „tragen die Kirche, und so muss für alle Zeiten in dieser Kirche Platz sein für die Tradition, die das Petrusamt zu hüten hat. Aber in dieser Kirche muss auch Raum sein für den Geist der Freiheit, den Paulus verkündete“, forderte Bour.