Pilgern bewegt äußerlich und innerlich

Rottenburg/Stuttgart. 7. November 2015. Als Chance zum Ausbrechen aus vielfach als einengend empfundener täglicher Pflichterfüllung hat Bischof Gebhard Fürst das Pilgern bezeichnet. In einem Grußwort zum 90-jährigen Bestehen der Pilgerstelle der Diözese Rottenburg-Stuttgart sagte er am Samstag, Pilgern sei kein bloßer Modetrend, sondern entspreche einem tiefen Bedürfnis der Menschen nach heilsamen Erfahrungen. „Wer pilgert, begibt sich auf eine Reise, auf eine äußere und eine innere“, stellte der Bischof in der Feierstunde im Haus der katholischen Kirche in Stuttgart fest.

Die Pilgerstelle wurde 1925 als Folge eines Pilgerzuges mit dem damaligen Rottenburger Bischof Paul Wilhelm von Keppler nach Rom begründet. Er erkannte nach dem Schrecken des Ersten Weltkriegs und dem Mangel in den Folgejahren das Bedürfnis der Gläubigen, heilige Stätten aufzusuchen. Keppler begrüßte ausdrücklich eine Kultur des Pilgerns. Sie solle „in guter Absicht und in der rechten Weise, also im Einklang mit den Vermögensverhältnissen, ohne Vernachlässigung häuslicher oder beruflicher Pflichten, in heiliger Zucht und mit frommem Eifer und religiösem Sinn“ gepflegt werden, schrieb der Bischof 1924.

Bischof Fürst verwies auf große Pilgerziele wie Rom, Lourdes, Bethlehem, Jerusalem oder Santiago de Compostela. Aber auch im eigenen Land lockten zahlreiche geistliche Orte und Pilgerwege wie der Jakobs- oder der Martinusweg, der sich allein in der württembergischen Diözese auf 1.200 Kilometer Länge erstreckt. Das Martinsjahr 2016 in Erinnerung an den 316 im heute ungarischen Szombathely geborenen Rottenburg-Stuttgarter Diözesanpatron Martinus und späteren Bischof von Tours werde die Pilgeraktivitäten noch einmal verstärken, betonte Bischof Fürst.