Pilgern: eine zentrale Form christlichen Lebens

Am Freitag, 23. Juli, war der Bischof von der St.-Martins-Basilika in Weingarten aus zur letzten Wegstrecke des Jakobswegs in seiner Diözese aufgebrochen. Im Jahr 2003 hatte er im Norden in Burgberg bei Crailsheim seine Jakobus-Pilgerschaft begonnen und war dann jedes Jahr in zweitägigen Wallfahrten über die Schwäbische Alb, Ulm und Oberschwaben den Stationen des Pilgerwegs gefolgt, die von Norden nach Süden durch die schwäbische Diözese führen. Auch dieses Jahr hatten ihn wieder zahlreiche Gläubige aus der Region begleitet, die sich auch durch die teilweise heftigen Regenschauer nicht entmutigen ließen.

Kirche – das seien in erster Linie Menschen, die miteinander auf dem Weg seien, betonte der Bischof. Sie liefen „nicht einfach ziellos und beliebig im Gelände herum“, sondern sie seien auf ein Ziel hin unterwegs. „Kirche ist das pilgernde Gottesvolk, die Gemeinschaft der Glaubenden, die Jesus Christus nachfolgen, die auf seinen Ruf hin aufbrechen und sich auf den Weg machen“, sagte Bischof Fürst. Und weiter: „Unser Glaube macht uns Beine.“ Es gehe darum, „auf den Wegen dieser Welt Zeugnis abzulegen vom Grund der Hoffnung, die uns bewegt und uns motiviert, immer wieder aufzubrechen.“

Bereits im Gottesdienst am Freitagabend, 23. Juli, hatte Bischof Fürst in der Jakobus-Kirche in Brochenzell betont, Pilgern sei „eine verdichtete Figur unseres Lebens“, denn menschliches Leben insgesamt bedeute, unterwegs zu sein. Das gelte auch für die Kirche als ganze. Mit Blick auf die heftigen Regenfälle des zurückliegenden Tages sagte der Bischof, die Kirche sei gerade in dieser Zeit auch einem „Starkregen“ ausgesetzt, bei dem es einem „manchmal angst und bange werden“ könne. So komme es um so mehr auf eine Gottesbeziehung an, die einen darauf vertrauen lasse, auf dem richtigen Weg zu sein. Das Unterwegssein gehöre zur Geschichte und zum inneren Wesen des Christseins und der Kirche, betonte Bischof Fürst. Viele biblische Geschichten seien „Weggeschichten“, Geschichten des Aufbruchs. Das Christentum sei an seinem Beginn von den zeitgenössischen Beobachtern als der „neue Weg“ bezeichnet und die ersten Christen seien „Anhänger des Wegs“ genannt worden. Das gelte bis heute. Christsein und Kirchesein bedeute nicht, stehen und sitzen zu bleiben, sondern immer wieder aufzubrechen, auch zurückzufallen, schuldig zu werden und der Vergebung zu bedürfen und sich dennoch wieder auf den Weg zu machen. Dieses Unterwegssein sei als Nachfolge Jesu ein „zielgerichtetes Gehen“, ein „bewusstes Nachgehen hinter dem, der vorangeht“, sagte Bischof Fürst.