Pilgern

Poesie am Pilgerweg: Schweigen, hören, gehen

Als Pilger-Patron erkennbar: der heilige Jakobus, dargestellt auf der Predella des spätgotischen Flügelaltars der Friedhofskapelle in Rißtissen. Foto: DRS/Jerabek

Die Einladung zum immer neuen Aufbruch ist der Pulsschlag der Pilgerschaft. Wolfgang Schneller intoniert dazu den Dreiklang "Schweigen, hören, gehen".

„Jetzt ist die rechte Zeit, / im Schweigen und im Hören / die Herzen auszuleeren / und spüren Endlichkeit.“ So beginnt Wolfgang Schneller sein Gedicht, das er in der Leonhardskapelle in Rißtissen (Seelsorgeeinheit Donau-Riß) zum Klingen bringt. Das Stillwerden, das Schweigen und Hören sind wichtige Übungen, um den Dingen des Lebens auf die Spur zu kommen. „Gott ist ein Freund der Stille. Seht, wie die Bäume, die Blumen, das Gras in einer tiefen Stille wachsen, wie Sterne, Mond und Sonne in der Stille auf- und untergehen“, sagte einmal Mutter Teresa von Kalkutta. Und der aus dem westafrikanischen Guinea stammende Kardinal Robert Sarah schreibt in seinem Buch „Kraft der Stille“: „Gott trägt uns und wir leben jeden Augenblick mit Ihm, wenn wir die Stille wahren. Nichts lässt uns Gott besser erkennen als Seine im Innersten unseres Wesens eingeprägte Stille. Wie sollen wir Gott finden, wenn wir diese Stille nicht einüben?“

Die Friedhofskapelle am Ortsrand in Richtung Ehingen, dessen Stadtteil Rißtissen ist, strahlt Ruhe aus. Das ansonsten schlichte Innere der Kapelle bringt den Flügelaltar von Jacob Acker (Ulmer Schule) umso beeindruckender zur Geltung. Er ist auf das Jahr 1483 datiert.

Die Stille, davon ist Wolfgang Schneller überzeugt, eröffnet neue Horizonte – und ermöglicht Erfahrungen, die der langjährige Referent für spirituelle Dienste in diese Verse kleidet: „Voll staunen höre ich / den Ruf zur Jüngerschaft: / „Geh nun in deiner Kraft – / vertrau, ich sende dich!“