Politik aus christlicher Verantwortung

„Sie haben im eigenen Leben und Handeln Ihren Glauben auch stets danach befragt, welche Konsequenzen er für Ihr politisch-gesellschaftliches Engagement haben muss“, sprach Bischof Fürst den Preisträger an. Der Eugen-Bolz-Preis wird durch die Eugen-Bolz-Stiftung verliehen „an Persönlichkeiten, die sich in besonders herausragender Weise aus christlicher Verantwortung in Wissenschaft, Politik und Publizistik um Rechtsstaat und Verfassung Verdienste erworben haben“.

Im Beisein von Bundestagspräsident Norbert Lammert, der baden-württembergischen Umweltministerin Tanja Gönner, dem Stiftungsratsvorsitzenden und Ministerialdirektor Klaus Tappeser, dem Rottenburger Oberbürgermeister Stephan Neher, dem ehemaligen Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof und anderen Gästen aus Politik, Kirche und öffentlichem Leben beglückwünschte Bischof Fürst den einstigen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg und stellte sein Wirken in einen Zusammenhang mit der Persönlichkeit des am 23. Januar 1945 von den Nationalsozialisten ermordeten württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz, eines Sohnes der Stadt Rottenburg.

Eugen Bolz, so der Bischof, habe „als Politiker, Staatsmann und Christ zu den herausragendsten Persönlichkeiten in der Geschichte unseres Landes gehört“. Besonders wichtig in seiner Biographie sei „die Verbindung von gesellschaftlich übernommener Verantwortung, bewusst gestalteter Politik und gelebtem Christentum“. Bolz stelle beispielhaft vor Augen, wie sich das Leben eines Menschen angesichts von Herausforderungen und Bedrohungen bewähre, wie er Entscheidung bewusst durchtrage und bereit sei, bis zum Letzten zu gehen.

Die Frage nach dem Verhältnis von Christentum und Gesellschaft, von Glaube und Politik stelle sich auch heute, sagte Bischof Fürst. Es gehe dabei „letztlich um die Frage, ob wir als Christen den Auftrag angemessen einlösen, Licht für die Welt und Salz der Erde zu sein und wie wir das tun können“. Politik aus christlicher Weltverantwortung, so der Bischof, bewähre sich nicht „durch weltfremde Utopien oder ideologisch verblendete Entwürfe“. Sie bewähre sich im Alltag der Menschen. Bolz habe beispielhaft eine christliche Politik gelebt, die sich „durch Nüchternheit, Sachlichkeit und Sachgemäßheit“ auszeichne. Sie nehme „ihr Maß am konkreten Menschen und seiner unbedingten, für jeden gültigen und unverlierbaren Würde“, betonte Bischof Fürst.