„Politisch engagierte Frömmigkeit ist kein Seitenarm der Kirche“

Rund 1.000 Gäste haben den Festgottesdienst mit Bischof Fürst auf dem Rottenburger Marktplatz mitgefeiert und an anderen Teile des umfangreichen Programms teilgenommen. In den rund 150 so genannten Kolpingfamilien in der württembergischen Diözese, darauf wies der Bischof in seiner Predigt hin, seien etwa 14.000 Menschen im Sinne des Stifters Adolf Kolping tätig. Sie zeigten, „dass ein authentisches christliches Leben dadurch wirkt, dass in ihm Glauben und Handeln zusammen fallen, dass der Grund unserer Hoffnung und die Kraft unserer Taten einander inspirieren“.

Christliches Leben sei nie denkbar ohne politisches Engagement und ohne den Einsatz für Menschen, die in der Gesellschaft einen schweren Stand hätten, betonte Bischof Fürst. Engagiertes Glaubensleben und politisch engagierte Frömmigkeit seien „keine Seitenarme, keine Unterabteilungen in unserer Kirche“. Vielmehr sei Christsein ein „Tu-Wort“, das „tatkräftig unheile Strukturen und Situationen zu heilen versucht“. Jesus selbst habe die innerste Verknüpfung von Glauben und Handeln bis ins Letzte vorgelebt. Nachfolge Jesu bedeute also „bedingungslosen Einsatz für das Leben, gerade auch für das Leben, wo es schwach, bedroht, behindert oder gefährdet ist“, unterstrich der Bischof. Empfindlichkeit für das Leid der anderen und soziale Sensibilität gehörten ins Zentrum dessen, was das Christentum der Welt zu geben habe. Diese Dimension des Christseins, so bestätigte Bischof Fürst der Festgemeinde, könne seit 150 Jahren im Kolpingwerk erlebt werden. Es sei heute keineswegs überholt, sondern verstärkt notwendig, dass sich Organisationen im Namen und Auftrag der Kirche gestaltend und oft auch kritisch ins gesellschaftliche und politische Geschehen einmischten, wie dies im Gefolge einer Leitfigur wie Adolf Kolping geschehe. Den Verbänden komme dabei nach wie vor eine große Bedeutung zu, denn was nicht organisiert sei, sei auch nicht wirklich, betonte der Bischof.