Politisches Handeln als Konsequenz des Glaubens

Dies hat Bischof Gebhard Fürst bei einem Festakt zur Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Tübingen an den ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel am Freitag in Tübingen betont. Bischof Fürst überbrachte Teufel die Glückwünsche der Diözese Rottenburg-Stuttgart sowie des Präsidenten und des Generalsekretärs des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, dem der schwäbische Politiker über viele Jahre hinweg angehört hatte. In diesem Gremium, so Bischof Fürst, sei Teufel im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils „mit hartnäckigem Engagement sowie mit sympathischer Beharrlichkeit für die Rolle und die Bedeutung der Laien in der Kirche eingetreten“.

Das Christentum, so betonte der Rottenburger Bischof, könne eine „tragfähige Grundorientierung“ der Politik sein und sie davor bewahren, in „beliebigen, richtungslosen Pragmatismus“ abzugleiten. Besonders bewahre das Christentum den Menschen davor, „sich selbst oder eine bestimmte Ideologie für absolut zu erklären“. Es betone den unverwechselbaren Wert eines Menschen und schütze ihn „vor jeder Form absoluter, auch staatlicher Übergriffe“, sagte Bischof Fürst. Erwin Teufel sei sich „dieser zentralen Dimension christlicher Weltverantwortung und Weltgestaltung stets bewusst geblieben“. Er habe sich immer offen als Christ bekannt, danach gehandelt und seinen Glauben danach befragt, welche Konsequenzen dieser für sein politisches und gesellschaftliche Engagement haben müsse, würdigte Bischof Fürst den ehemaligen Ministerpräsidenten. Das Christentum, so der Bischof, schütze „die Transzendenz der menschlichen Person“ und leiste „kritischen Widerstand gegen die Überhöhung der Politik“. Dennoch verleite es den Menschen nicht „zum Ausstieg aus dem politischen Alltagsgeschäft“, sondern führe ihn vor einem weiteren Sinnhorizont in seine Verantwortlichkeit zurück. Erwin Teufel habe glaubwürdig gezeigt, wie dies „überzeugend und kraftvoll gelingen und gestaltet werden“ könne, betonte Bischof Fürst.

Erwin Teufel erhält die Tübinger Ehrendoktorwürde nach Angaben der Universität „für seine Verdienste um eine wertgebundene, am christlichen Menschenbild orientierte Politik“ sowie für die Stärkung des ethisch-philosophischen Diskurses und der Förderung der interreligiösen Forschung in Tübingen.