"Potenzial unserer Gesellschaft"

Mit der Gemeinde Zur Schmerzhaften Mutter im
hohenlohischen Matzenbach habe sich erstmals eine Pfarrei in der württembergsichen
Diözese entschlossen, "dezidiert eine Jugendstiftung in den Reigen der karitativen
Stiftungen einzubringen und damit Kinder und Jugendliche in materieller Not in einer
zeitgemäßen Form zu unterstützen", sagte die für die Caritas in der Diözese
zuständige Ordinariatsrätin am Dienstag bei der Gründung der Stiftung in
Matzenbach. Kinder seien als "Potenzial unserer Gesellschaft" nicht nur den Eltern
anvertraut; vielmehr trage die gesamte Gesellschaft Mitverantwortung, Kindern einen
Weg in ein gelingendes Leben zu ermöglichen.

Die unter dem Dach der Caritas-Stiftung "Lebenswerk Zukunft" angesiedelte
Jugendstiftung St. Franziskus verfügt nach Angaben des Matzenbacher Pfarrers
Markus Engert derzeit über ein Kapital von 75.000 Euro. Er rechne aber mit weiteren
Zustiftungen. Die Stiftung verdankt ihre Existenz einer 1903 vom damaligen Pfarrer
Hammer gegründeten "Franziskusanstalt", dem späteren Kinderheim St. Franziskus.
Untermarchtaler Franziskanerinnen führten das Heim bis in die siebziger Jahre, dann
gab die Kirchengemeinde es wegen mangelnder Nachfrage auf. Jahrelang wurde das
Anwesen vom "Kinderheim St. Franziskus Verein" an unterschiedliche Träger
vermietet. Zuletzt entschied sich die Kirchengemeinde, die vorhandenen Finanzmittel
in Form einer Stiftung zum Wohl von Kindern und Jugendlichen einzusetzen, wie
Pfarrer Engert betont. Weiteres Kapital stellen die Gebäude des Kinderheims dar.
Als Stiftungszwecke hielten die Initatoren der Stiftung unter anderem Unterstützung
beim Ausbau der Kinderbetreuung am Ort fest, Stärkung von Familien mit Problemen
und Linderung akuter Not in Familien. Bewusst habe man die Stiftungsziele offen
formuliert, um möglichst großen Spielraum zu erhalten, unterstreicht Pfarrer Engert.
Leitmotiv dabei sei gewesen, die Idee des Kinderheims grundsätzlich zu bewahren,
aber sie in eine zeitgemäße Form umzusetzen. Die 2003 gegründete Caritas-Stiftung
„Lebenswerk Zukunft“, die derzeit treuhänderisch 44 Stiftungen verwaltet, verfügt
nach eigenen Angaben über insgesamt rund 8,8 Millionen Euro Vermögen.