Pränatale Diagnostik bringt viele Schwangere in Gewissenskonflikte

Um das Beratungsangebot zum Thema Schwangerschaft auszuweiten, rief die Diözese 1999 die Aktion „Wir helfen weiter“ ins Leben. In deren Rahmen wurden Info-Materialien erstellt, eine Hotline für Frauen in Not sowie Wanderausstellungen eingerichtet. Für Stetter-Karp spiegelt sich darin eine zeitgemäße Beratung: „Es fällt auf, dass im Schnitt jüngere Frauen erreicht werden. Außerdem nehmen Schwangere zu einem früheren Zeitpunkt der Schwangerschaft Kontakt zur Beratung auf.“

Nicht immer seien Diagnosen pränataler Untersuchungen richtig, stellte Johannes Böcker, Caritasdirektor der Diözese Rottenburg-Stuttgart, fest. Zudem berge die Untersuchung Risiken. „Schwangere stehen daher schnell vor schwierigen Entscheidungen“, so Böcker. Daher begrüße der Caritasverband vor dem Hintergrund der derzeitigen politischen Diskussion ausdrücklich, dass das ärztliche und psychosoziale Beratungsangebot für Spätabtreibungen intensiviert und stärker vernetzt werden solle. Ein Anliegen der Caritas sei es, die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche aufgrund einer zu erwartenden Behinderung zu verringern.

Frauen sollten bereits vor der Inanspruchnahme pränataler Diagnostik in die Lage versetzt werden, sich bewusst für oder gegen eine Untersuchung zu entscheiden, forderte Böcker. „Genau bei einer solchen Entscheidungsfindung begleiten unsere Beraterinnen und Berater der katholischen Schwangerschafts-Beratungsstellen Frauen und Paare.“ Er plädierte dafür, dass sich Schülerinnen und Schüler im Religions- oder Ethikunterricht mit pränataldiagnostischen Fragestellungen auseinandersetzen. Unabhängig von einer Schwangerschaft sollten sich die jungen Menschen fragen, welche Werthaltung sie gegenüber einem Leben mit Behinderung einnehmen wollen. „Nur so wird der notwendige Rahmen geschaffen, dass Menschen mit Behinderung akzeptiert und willkommen sind.“

Mit 28.000 hauptamtlichen und 20.000 ehrenamtlichen Mitarbeitern vertritt der Caritasverband als Spitzenverband in der Diözese 1.800 Einrichtungen mit mehr als 90.000 Plätzen. An 33 Standorten in Württemberg bietet er gemeinsam mit dem Sozialdienst katholischer Frauen Beratung und Hilfe für schwangere Frauen und deren Partner und Familien an. 2007 haben laut Statistik 6.453 Frauen diese Beratungsstel-len aufgesucht. 18.350 Beratungsgespräche wurden geführt.