Prüfsteine für die Bildungspolitik

Auf der Basis des jüdisch-christlichen Menschenbildes greift der Text aktuelle Herausforderungen von der frühkindlichen Bildung und Erziehung über gemeinsames und integratives Lernen bis zur Ganztagesschule auf. In einem weiteren Punkt zeigen die Autoren, wie sich die Kirche als Partner für die Schule einbringen kann. Die Diskussion über Bildungspolitik sei stark gefährdet, von ideologisch geprägten Positionen gelähmt zu werden. „Mit unserer Erklärung wollen wir ideologiefrei die Situation beleuchten und Lösungswege anbieten, die sich aus christlicher Sicht am Menschen und seinen Entfaltungspotenzialen orientieren“, so Ordinariatsrätin Seeliger.


Zur umstrittenen Frage etwa, wie viele Jahre Kinder gemeinsam in einer Schulart lernen sollen, legt das Papier das Prinzip der Chancengerechtigkeit zugrunde. Der schulische Erfolg dürfe nicht von der sozialen Herkunft bestimmt werden, heißt es. Dies freilich sei in Deutschland verbreitet der Fall und müsse verändert werden. Jeder Schüler sei zudem individuell und kreativ je nach Begabung zu fördern. Einen breiten Zugang zu Bildungsabschlüssen sowie Durchlässigkeit und Flexibilität im System fordern die katholischen Schulexperten. „Wir lehnen Restgruppen ab, die dem Einzelnen keine Entwicklungsperspektive bieten können, betonte Seeliger.

Als ein wichtiges Gebot der Bildungs- und Chancengerechtigkeit bezeichnen die Autoren der Erklärung, dass so genannte rhythmisierte Ganztagesangebote landesweit für alle erreichbar sind. Hier können Kinder und Jugendliche auch am Nachmittag schulische Bildungs- und Freizeitangebote wahrnehmen. Rhythmisierung bedeute dabei bis 16 Uhr eine bewusste Abwechslung von Fachunterricht, gemeinsamen und individuellen Lern- und Übungseinheiten, gezielten Phasen informellen Lernens sowie Spiel und Entspannungszeiten. Ein verbindlicher Unterrichtsschluss sowie wöchentlich ein schulfreier Nachmittag ermögliche Schülerinnen und Schülern, „andere Bildungs- und Lernwelten zu erschließen“. Skeptisch beurteilt wird aus Gründen der Chancengerechtigkeit die so genannte offene Ganztagesschule, deren Angebote nur von bestimmten Schülern angenommen werden können.

Die Diözese betont in der Erklärung, dass sie als Partner in der Bildungsarbeit auch an öffentlichen Schulen zur Verfügung stehe. Als Beispiele werden neben dem staatskirchenrechtlich geregelten Religionsunterricht unter anderem genannt Schulsozialarbeit, Schulpastoral, Schülermentorenausbildung und breit gefächerte Projektarbeit. Ziel dabei muss nach Aussage der schulpolitischen Erklärung sein, dass Schüler nicht auf Funktion und Leistung verkürzt werden, sondern sich gegen mögliche totalitäre oder ideologische Ansprüche als Persönlichkeiten in Freiheit, Chancengerechtigkeit und Solidarität entfalten können.

Hinweis: Die Erklärung der Diözese „Schule zukunftsfähig und menschlich gestalten“ kann unter www.drs.de und http://schulen.drs.de heruntergeladen werden.