Qualifiziertes pädagogisches Angebot jenseits des Unterrichts

In einer Feierstunde zur Einweihung des Gebäudes für die Ganztagesbetreuung am Katholischen Freien Gymnasium St. Meinrad in Rottenburg erinnerte Bischof Fürst daran, dass die Diözese Rottenburg-Stuttgart die katholischen Schulen in ihren „innovativen pädagogischen Ansätzen“ seit ihren Anfängen gefördert und unterstützt habe. Im Hintergrund stehe eine lange Tradition des kirchlichen Engagements in der Erziehung und Bildung, das im christlichen Menschenbild begründet sei. „Bildung nach christlichem Verständnis“, so Bischof Fürst, bedeute „die Ausformung des Bildes Gottes im Menschen“.

Der Bischof verwies auf das Zweite Vatikanische Konzil, demzufolge die Schule auch der Vorbereitung und Einübung „eines freundschaftlichen Zusammenlebens“ diene und die „gegenseitige Anlage, sich zu verstehen“, fördere. Dies weise auf einen Horizont hin, der über den reinen Unterricht hinausgehe. In einer gesellschaftlichen Situation, die durch die Aushöhlung eines verbindlichen Wertekonsenses, durch den Wandel prägender Milieus und durch wechselnde Lebensentwürfe ebenso geprägt sei wie durch globale Entwicklungen, die „in herkömmliche familiäre und gesellschaftliche Strukturen“ eingreifen, positioniere und profiliere sich die Katholische Schule „bewusst als Stätte der Bildung und Erziehung“, als „die umfassende Begleitung junger Menschen auf ihrem Weg zu sich selbst und zu der je eigenen Personwerdung“, betonte Bischof Fürst.

Die Katholische Schule St. Meinrad in Rottenburg beginne jetzt damit, eine Ganztagesschule anzubieten. Er wisse, so der Bischof, dass über die Ganztagesschule kontrovers diskutiert werde, auch in der Kirche. Die Positionen reichten vom Heilmittel für jede bildungspolitische Misere“ bis hin zum Vorwurf, die Familie werde durch die Ganztagsbetreuung entwertet und Eltern und Kinder einander entfremdet. Es müsse aber um ein „qualifiziertes pädagogisches Angebot auch jenseits des Unterrichtssektors“ gehen, so der Bischof. Dies sei „mehr als Betreuung“, nämlich „eine besondere Form eines ganzheitlichen Bildungs- und Erziehungsparadigmas“, unterstrich Bischof Gebhard Fürst. Die Ganztagesschule solle „ein helfendes stützendes Angebot dort sein, wo es nötig und gewünscht“ sei.

Bischof Fürst stellte das neue Rottenburger Ganztagesangebot in den Zusammenhang des „Marchtaler Plans“, der für die katholischen Schulen der Diözese Rottenburg-Stuttgart verbindlich ist. Es gehe darum, „Konzepte zu entwickeln, die die Einheit zwischen Glauben und Handeln, zwischen Theorie und Praxis, zwischen Lehre und Leben als einzig glaubwürdigen und einzig tragfähigen Weg zu entdecken zu helfen“. Hier habe die Ganztagesbetreuung ihren Platz und ihre Aufgabe, betonte der Bischof. Sie diene nicht „der Verwahrung junger Menschen für den Zeitraum X“, sondern habe „dienende Funktion und Anteil“ an einem Erziehungs- und Bildungsprozess an den katholischen Schulen, der vom biblisch-christlichen Menschenbild her definiert sei.