„Raum für Kreativität in Freiheit“

Rottenburg. 9. November 2014. Die Kirche hat nach Überzeugung von Experten die Chance, Menschen ganz unterschiedlicher Prägung neu für ehrenamtliches Engagement zu gewinnen. Entscheidend dafür sei, dass sie einen Raum für Kreativität und Entfaltung biete, betonte der Pastoraltheologe Matthias Sellmann von der Ruhr-Universität Bochum am Samstag in Rottenburg beim ersten Ehrenamtskongress der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Noch nie „konnte Christsein unter den Bedingungen von völliger Glaubens- und Sanktionsfreiheit organisiert werden“, betonte der Theologieprofessor vor 600 Tagungsteilnehmern. Dies bedeute eine große Chance, viele verschiedene Menschen zu beteiligen.

„Die Lebensweisheit des Gebens kann ganz neu kulturell angeboten werden“, so Sellmann. Moderne Menschen seien "Autoren ihres eigenen Lebens". Mit dem gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Individualität habe sich das Gesicht des Ehrenamtes verändert. Für eine Kultur selbst bestimmter Beteiligung bewege sich die Kirche auf einer stabilen Basis und könne selbstbewusst von der gesellschaftlichen Wirklichkeit lernen. Organisationen dagegen, die nicht beteiligen, verlören an Autorität. Kirche mit ihrem christlichen Wertefundament habe das Potenzial, sich als „attraktive Agentur für Ehrenamtsförderung“ weiter zu profilieren.

Bischof Gebhard Fürst betonte, christlich motiviertes Engagement rühre „nicht allein aus reinem Gutmenschentum“. Jesus Christus selbst sei „Zeichen und Wirklichkeit dafür, dass Gott für uns da ist“. Der Bischof dankte den in der Kirche engagierten Frauen und Männern und verwies auf die ersten Christen: „Sie sind die eigentlichen Erfinder des Ehrenamtes, für sie war es der Normalfall.“ Mit vielen verschiedenen Talenten wirkten Christen mit am Aufbau des Reiches Gottes. So entstehe ein „heilsamer Kreislauf vom Glauben an den Gott, der die Liebe ist, zum Einsatz für die Nächsten“. Als Voraussetzungen modernen ehrenamtlichen Engagements nannte Bischof Fürst Dank, Anerkennung und Befähigung sowie Eigenverantwortung, Transparenz und Flexibilität.

Beim ersten Ehrenamtskongress der Diözese befassten sich 600 Teilnehmer in 40 Workshops mit aktuellen Fragen und Herausforderungen des Ehrenamtes.

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