„Rechtlichen Aufgaben in pastoraler Weise nachgehen“

In einer Feier im Rottenburger Bischofshaus hat Bischof Gebhard Fürst am Dienstagabend, 24. Oktober, Reinhold Melber verabschiedet und Thomas Weißhaar ins Amt eingeführt.

Der Offizial, so führte Bischof Fürst aus, sei als „Vertreter des Bischofs in allen Bereichen des kirchlichen Gerichtswesens“ des Bischofs „judikativer Arm“. Er agiere in diesem Bereich im Sinne des Bischofs, zugleich sei er zu eigenverantwortlichem Handeln verpflichtet. In beiden Anforderungen, so der Bischof, habe er sich auf Offizial Melber immer verlassen können. Zugleich bescheinigte er Melber Menschenkenntnis, einen wachen Geist und einen guten Sinn für das Verborgene. So habe er seine Tätigkeit am Offizialat immer als Seelsorge an Menschen verstanden, deren Lebensentwürfe zerbrochen sind. Immer habe er die Fähigkeit zur Empathie bewiesen, sowohl den Menschen gegenüber, deren Leid sich in kirchlichen Gerichtsvorgängen gespiegelt habe, als auch gegenüber den Mitarbeitenden des Offizialats. Wenig bekannt sei, dass Reinhold Melber 30 Jahre lang Orgelsachverständiger der Diözese gewesen sei. Damit spielte Bischof Fürst auf die musikalischen Talente des scheidenden Prälaten an und fügte zur Überraschung der Zuhörer hinzu, das Komponieren sei Melbers leidenschaftliches Hobby. Besonders gerne setze er japanische Haikus musikalisch um.

Mit der Berufung von Thomas Weißhaar, bereits seit September 2009 als Diözesanrichter mit Teilzeitauftrag am Offizialat tätig, habe er das Menschenmögliche für einen passenden Anschluss in der Leitung des diözesanen Kirchengerichts getan, betonte Bischof Fürst. Mit seinem Vorgänger verbinde Weißhaar auch das besondere Interesse an der Kirchengeschichte, ebenso sei er wie dieser immer Seelsorger geblieben und werde dies auch weiterhin sein. Die Wertschätzung unter den Priesterkollegen drücke sich darin aus, dass diese ihn wiederholt als Vertreter in den Diözesanrat und den Diözesan-Priesterrat gewählt hätten. Er habe Weißhaar auch für bestens geeignet gehalten, ihn zum Bischöflichen Beauftragten für den Seligsprechungsprozess von Bischof Joannes Baptista Sproll zu ernennen.

Im Namen des Rottenburger Domkapitels St. Martin dankte Domdekan und Weihbischof Johannes Kreidler dem scheidenden Offizial Melber für sein siebenjähriges Wirken als Mitglied des Domkapitels. Bereits zuvor sei er dem Dom sei Jahrzehnten verbunden gewesen. 1965 sei er von Bischof Carl Joseph Leiprecht zum Offizialats-Assessor und zum Verweser der Dompräbende (Kaplanei) St. Johannes Baptista ernannt worden, 1968 zum Dompräpendar. Mit seinem ungeheuren Wissens- und Erfahrungsschatz in allen kirchenrechtlichen Belangen sei er im Kollegenkreis immer auch „der Mann für schwierige Fragen“ gewesen. Er sei als Prediger am Dom geschätzt worden und beeindrucke die Menschen durch Einfühlsamkeit und tiefe menschliche Bescheidenheit.

Einen Eindruck von Prälat Melbers kompositorischen Fähigkeiten konnten die Gäste durch die Darbietung einiger seiner Werke durch eine fünfköpfige Männergesangsgruppe unter der Leitung von Diözesanmusikdirektor Walter Hirt gewinnen. Beispiele seines Humors, den ihm der Bischof ebenfalls attestiert hatte, lieferte er in seinen Dankesworten, durch die sich als roter Faden der Gedanke zog: „Es ist des Lernens kein Ende.“ Das sei ihm bereits mit seinen ersten Rottenburger Titeln so gegangen. Der ihm bis dahin völlig unbekannte „Offizialatsassessor“ habe ihn stets an „Salatesser“ erinnert; und bei der Ernennung zum „Verweser der Dompräbende St. Johannes Baptista“ habe er sich gefragt: „Wer oder was verwest da?“ Eine Lernherausforderung seien für ihn als jungen Priester auch die Rechtsmaterien seines neuen Amtes und die obligatorische lateinische Fachsprache gewesen. Er habe stets wissen wollen, was in den Herzen der Menschen vorgehe, mit denen er als Rechtsfälle zu tun gehabt habe. Und im aktuellen Dialogprozess der Kirche stelle sich für ihn die Lernaufgabe: „Wie können Wahrheit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit noch besser mit einander in Einklang gebracht werden?“

Als zentrale Herausforderung seines neuen Amts bezeichnete es Melbers Nachfolger Thomas Weißhaar, rechtlichen Aufgaben in pastoraler Weise nachzugehen. Gegenüber dem Kirchenrecht hätten der Glaube, die Gnade und die Gnadengaben der Menschen den Vorrang, betonte Weißhaar. Auch müssten Veränderungen von Normen immer geprüft werden. Doch dürfe die Bedeutung des Rechts in der Kirche nicht aus den Augen verloren werden, weil es den Gläubigen Rechte garantiere, auf die sie sich berufen könnten. Diese positive Dimension des Rechts in der Kirche wolle er zum Ausdruck bringen, betonte Weißhaar.

Dr. Thomas Broch